Margaret Thatchers überraschende Reise zu den Falkland-Inseln: ein teures Unternehmen

Von Karl-Heinz Wocker

London, im Januar

ahrscheinlich wird man nicht amerikanischer Präsident, ohne im Lauf der Karriere aussortierte Flugzeuge aller Unbequemlichkeitsgrade benutzt zu haben. Ronald Reagan weiß also, wovon er spricht, wenn er die strapaziöse Reise der britischen Premierministerin von London zu den Falkland-Inseln in den höchsten Tönen lobt, die einem ehemaligen Cowboy-Darsteller zur Verfügung stehen: "Sie ist der beste Mann in England."

Der schulterklopfende Spruch aus Washington dürfte der Margaret Thatcher jedoch nicht einmal halb so viel wert sein wie die soeben gewonnene Ehrenbürgerschaft der Falkland-Inseln. Sie sei ihr verliehen worden als "einzigartige Auszeichnung", meldeten die bewundernden Heimatblätter, ohne zu fragen, wem denn die 1800 Inselbewohner solchen Ehrenstand zuvor je hätten angedeihen lassen sollen. Die Großen der Welt gaben sich bisher in Port Stanley nicht gerade ein Stelldichein. Und der eigene Gouverneur, Rex Hunt, der jetzt im Sonnenglanz des Sieges Stehcocktails für die Passagiere kurz ankernder amerikanischer Luxusdampfer gibt, hat solchen Titel ja auch kaum verdient angesichts der Eile, mit der er beim Herannahen der Argentinier seine Staatskarosse – ein ausgedientes Londoner Taxi – bestieg und den nächsten Flug nach Europa nahm.

Mit der Ehrenbürgerschaft, die Frau Thatcher in englischen Städten nicht so leicht verliehen bekommt, kann sie sich daheim sehen lassen, für Ronald Reagans Kompliment gibt ihr niemand etwas. Der Präsident hat zu diesem Männervergleich ja deshalb gegriffen, weil er die Tatsache der Reise nicht kommentieren mochte, sonst hätte er wohl sehr viel abschätzigere Ausdrücke benutzt. Seit sein Außenminister Shultz im Dezember in London die Premierministerin zu bewegen suchte, doch irgendwann an einen Verhandlungstisch zu denken, an dem auch Argentinien Platz habe, was das berühmte Raubtierblitzen in Frau Thatchers Augen zur Folge hatte, ist das Thema Falkland zwischen Washington und London tabu. Das war es ja auch zur Zeit des Krieges selbst. Die britische Regierung glaubt jedoch, sich Unnachgiebigkeit leisten zu können. Derzeit sind es schließlich die Amerikaner, die einen Gefallen erbitten (oder erzwingen) möchten, nämlich die Stationierung neuer Waffensysteme, auch und vor allem in England.

Durch die Zwischenlandung auf den Ascension-Inseln müssen die Amerikaner vom Flug der Falkland-Besucherin erfahren haben. Was es trotz dieser Unterbrechung bedeutet, 23 Stunden mit der Royal Air Force in Richtung Südatlantik zu fliegen, ist in dieser Zeitung schon beschrieben worden (ZEIT 29/1982). Gegenüber damals hat sich nur eins gebessert: die Rollbahn in Port Stanley. Rund um den Flughafen sind die Probleme geblieben.