Hauptschullehrer auf dem Land wissen, warum viele ihrer Schüler nach dem Abschluß so schnell keine Lehrstelle finden werden: Sie wohnen ungünstig. Oft haben sie nur die unangenehme Wahl zwischen stundenlangen Fahrten zum Arbeitsplatz und Arbeitslosigkeit, wenn sie im Elternhaus wohnen bleiben wollen oder müssen. Eine Bundesregierung, der es erklärtermaßen um die Stärkung der Familie geht, kann sich darüber nicht freuen. Die Familie ist aber nicht die einzige soziale Einrichtung, die von Konservativen gelobt wird, wenn es ins wirtschaftliche Konzept paßt. In der Kölnischen Rundschau forderte Bildungsministerin Dorothee Wilms die Jugendlichen zu mehr Mobilität auf; Mobilität in Richtung auf ein vergangenes soziales Idyll: "Es war ja früher nicht das schlechteste, wenn ein Lehrling auch beim Meister wohnte."

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An der zu großen Ferne vom Küchenherd der Meistersfrau wird es nicht; liegen, daß mehr junge Leute als früher ihre Berufsausbildung vor dem Abschluß abbrechen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft legte Zahlen vor: 5,8 Prozent der Lehrlinge brachen 1981 ihre Ausbildung ab: Das waren 96 000 Jugendliche, deren Verhalten stets 40 000 Ausbildungsplätze blockierte, weil die freigewordenen Plätze immer erst zu Beginn des nächsten Ausbildungszeitraums der Berufsschule wieder besetzt werden können. Unter den Abbrechern sind sowohl die Abiturienten überrepräsentiert als auch die Jugendlichen ohne Hauptschulabschluß. Je höher aber die Anforderungen an Verstand und Geschick im Ausbildungsberuf sind, desto mehr Anfänger bleiben bei der Stange: Sparkassenkaufleute brechen am seltensten ab, gefolgt von Lehrlingen verschiedener technischr, Elektro- und Büroberufe. Am anderen Ende der Skala verzeichnen Lebensmittelverkäufer, Kellner und Tankwarte die höchsten Abbruchquoten. Jeder zweite Abbrecher beginnt eine Ausbildung für einen anderen Beruf.

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Der nordrhein-westfälische Verfassungsgerichtshof hat der oppositionellen CDU und den zumeist katholischen Privatschulen des Landes recht gegeben: Die vom Landtag mit den Stimmen der regierenden Sozialdemokraten Ende 1981 beschlossene Kürzung der Privatschul-Zuschüsse von 94 auf 90 Prozent der Kosten, die für vergleichbare staatliche Schulen anfallen, ist verfassungswidrig. Kultusminister Girgensohn wollte um die 30 Millionen Mark jährlich dadurch sparen, daß die staatliche Schulverwaltung bei der Festsetzung von Mietzuschüssen nach freiem Ermessen hätte entscheiden können. Die Schulen müssen sich dem Urteil zufolge aber darauf verlassen können, daß der Staat in bestimmter Höhe für ihre Gebäudekosten, Mieten und Hypotheken aufkommt.

Kein Grund zum Jubel vermeintlicher Kulturkämpfer: Nach Berechnungen des Kultusministeriums in Hannover geben die Düsseldorfer Kollegen pro Kopf eines jeden Privatschülers mehr Geld aus als acht andere Bundesländer, darunter Bayern, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Das kassierte Gesetz hätte daran nichts geändert.

Peter Pedell