Mit dem Vergleichsantrag, den der Stahlindustrielle Willy Korf gestellt hat, neigt sich nach Neckermann, Hähnchen-Jahn und anderen Wunderknaben eine weitere schillernde Nachkriegskarriere ihrem Ende zu. Ein weltweit operierendes Industrie-Imperium mit etwa 10 000 Beschäftigten ist ins Wanken geraten – die Stahlkrise scheint ihr erstes Unternehmeropfer gefunden zu haben.

Die Frage ist nur, warum es ausgerechnet diesen stets als ideenreichen und dynamischen Unternehmer gepriesenen Willy Korf zuerst trifft und nicht die doch weitaus schwerfälligeren Konzerne an der Ruhr. Darauf gibt es eine Antwort und mehrere Gründe: Korf hat ausgerechnet die Produkte hergestellt, die derzeit am wenigsten gefragt sind. Er hat an einer falschen Technologie festgehalten. Er hatte keine Reserven (siehe Seite 17).

Gerade in diesem letzten Punkt unterscheiden sich Korf und andere Wunderknaben der Nachkriegszeit von den etablierten Konzernen, die zumeist über umfangreichen Grundbesitz verfügen, den sie in Notzeiten zu Geld machen können. Hatten die Ruhr-Hütten diese Möglichkeit nicht gehabt, sie wären lange vor Korf gestrauchelt. So traf es zuerst den Jungen aus dem Siegerland, der von Baden-Baden aus die Welt erobern wollte und dabei vor lauter Dynamik das Konsolidieren vergaß. hgk