Von Claus Bienfait

Man könnte sich diesen freundlichen Herrn mit Glatze gut hinter dem Schalter einer Sparkasse vorstellen. Daß er in Wahrheit einen gefährlichen Beruf ausübt, sieht man ihm nicht an. Dieter Schmitt aus Heidelberg ist Ferry-Pilot, einer von drei Deutschen unter den rund hundert waghalsigen Fliegern, deren Geschäft es ist, ein- und zweimotorige Maschinen über die Weltmeere zu steuern.

Solche Überführungsflüge sind fast immer riskant. Zwar könnte man ein kleines Flugzeug auch in seine Einzelteile zerlegen und per Container von Kontinent zu Kontinent transportieren, doch das wäre wesentlich teurer, als es für den Langstreckenflug mit Zusatztanks, zusätzlichen Instrumenten und allem Sicherheitszubehör auszurüsten und damit auch gleich das Einfliegen zu sparen.

Diese einfache Kalkulation gibt den Ferry-Piloten Lohn und Brot. Sie arbeiten weltweit und auf eigene Rechnung. Amerikaner beherrschen das Geschäft, denn die wichtigsten Auftraggeber unter den Herstellern von Fluggerät für die sogenannte General Aviation sind die amerikanischen Firmen Cessna, Beechcraft und Piper. Aus deren Werkshallen im Mittelwesten der Vereinigten Staaten müssen die neuen Flugzeuge zu den Kunden in Europa, Asien, Afrika oder Australien gebracht werden.

Wer ein Flugzeug bestellt, muß – wie bei einem neuen Auto – für die Anlieferung zahlen. Zwischen 5000 und 7500 Dollar werden auf der Standardstrecke über den Nordatlantik fällig, je nach Zielflugplatz, Jahreszeit und Ausrüstung der Maschine.

Ein vorher ausgehandelter Pauschalpreis hat für den Auftraggeber den Vorteil, daß er sich um nichts mehr zu kümmern braucht. Der Ferry-Pilot beantragt die erforderlichen Lizenzen, besorgt die Export-Genehmigung und erledigt Zoll-Formalitäten. Er baut Tanks und Instrumente ein, und um Gewicht zu sparen, baut er manchmal auch Sitze und Innenverkleidung aus. Er wählt die Flugroute, begleicht die Landegebühren und kauft auch das Benzin.

Der Ein-Mann-Unternehmer Dieter Schmitt mußte kräftig investieren, bevor er sich auf Ferry-Flüge spezialisierte. Zu seiner Ausrüstung im Wert von rund 150 000 Mark gehören: Kurzwellengerät (HF) und tragbarer Ukw-Sender, Radiokompaß, Transponder für die Radarschirm-Identifizierung, diverse Navigationsgeräte (LORAN), eine Präzisions-Anflug-Hilfe (ILS), automatischer Notsender, Schlauchboot, Schwimmweste, Notraketen und Kälteschutzanzug.