Vier Parlamentarier klagen vor dem Bundesverfassungsgericht gegen eine Auflösung des Bundestags. Einer von ihnen ist Friedheim Rentrop (FDP), der Vorsitzende des Finanzausschusses.

ZEIT: Wie haben Sie Ihre Verfassungsklage begründet?

Rentrop: Mit der Aushöhlung der Verfassung. Wir kommen auf diesem Wege dazu, das konstruktive Mißtrauensvotum nur noch als Eingangsstufe für eine Abwicklungs-Kanzlerschaft zu sehen. Und das ist die falsche Art, mit unserer Verfassung umzugehen. Sie bekäme dadurch plebiszitären Charakter – und dies in Krisenzeiten.

Im Grunde war Helmut Schmidts Vertrauensfrage im Februar 1982 ja ähnlich manipuliert. Ich habe am 16. Dezember, geradlinig in meinem Tun, den sehr schwierigen Haushaltsverhandlungen mein Plazet gegeben, das Parlament aufgefordert, diesem Haushalt 1983 zuzustimmen mit der Maßgabe, daß das Haushaltsgesetz ein Gesetz für ein ganzes Jahr ist, nicht nur für einen verkürzten Zeitraum. Dann kann ich nicht, kaum 24 Stunden später, hingehen und sagen: So, nun entziehe ich der Regierung weisungsgemäß das Vertrauen.

ZEIT: Was erwarten Sie sich nunvon Ihrer Verfassungsklage? Daß die Wahl ausgesetzt wird?

Rentrop: Auf jeden Fall möchte ich die Auflösung nicht zur Gewohnheit werden lassen. Man kann, zwecks Rechtfertigung, nicht Willy Brandts Auflösung 1972 nehmen. Denn damals gab es ein echtes Patt im Bundestag. Beide Seiten waren nicht mehr handlungsfähig. Das war jetzt anders. Hier hätte man weitere Koalitionsverhandlungen, hätte man alles machen können. Das ist ja eben gar nicht ausgereizt worden. Statt dessen ist im Grunde genommen mit einem Vertrauen auf Zeit, das das Grundgesetz nicht kennt, operiert worden.

ZEIT: Wenn Sie Recht bekommen – was soll dann die Konsequenz sein?