Der negative Trend läßt sich am besten in den Buchhandlungen beobachten: Die Kunstbuchabteilungen, früher nicht selten die Renommierecken der Geschäfte, degenerieren seit einigen Jahren zu Sortimenten von Tier- und Freizeitliteratur. Die teuren Kunstbücher werden allenfalls noch auf Bestellung geliefert, was bei Absatzzahlen von einem oder höchstens zwei Exemplaren pro Titel im Jahr nicht überraschen kann. Den Verlagen, die ihrerseits über ständig steigende Papier- und Klischeekosten klagen, bürdet die Zurückhaltung des Sortimentbuchhandels zusätzliche Lagerkosten auf. Die kulturpolitischen Auswirkungen dieser Entwicklung sind fatal.

Ein – eher positiv zu weitendes Ergebnis – dieser Situation ist die zunehmende Kooperation zwischen Museen und Kunstbuchverlagen, in Wahrheit eine versteckte Kostenbeteiligung der öffentlichen Hand im Buchgeschäft. Die Kataloge werden redaktionell von den Museen umfassend betreut und den Verlagen druckfertig vorgelegt. Gedruckt werden dann zwei Versionen: als Katalog, der zu einem durch Subvention niedrig gehaltenen Preis an der Kasse der Ausstellung verkauft wird, und als Kunstbuch, dessen Preis im Handel zwar höher, aber immer noch unter den sonst gängigen Marktpreisen liegt.

Problematisch indessen ist ein Finanzierungsmodell, das vorwiegend bei Künstlermonographien angewendet wird. Ein Beispiel: Die Staatsgalerie Stuttgart hatte lange Zeit mit dem in Krefeld lebenden Lichtkünstler Adolf Luther über den Ankauf eines Objektes verhandelt. Als man sich endlich handelseinig geworden war, traf es sich günstig, daß der Stuttgarter Verleger Gert Hatje Interesse an einer Monographie über Luther zeigte. Hatje produziert seit Jahren eine sehr verdienstvolle Reihe von Künstlermonographien, die zu einem Preis von rund zwanzig Mark auf den Markt kommen. Zwischen Luther, der Staatsgalerie und dem Verleger wurde ein Dreiecksgeschäft vereinbart. Der Kaufpreis des Objektes entsprach in etwa den Herstellungskosten des geplanten Luther-Buches in Höhe von rund 20 000 DM. Also stellte der Künstler dieses Geld dem Verlag zur Verfügung, und wenig später erschien die Monographie auf dem Markt.

Gert Hatje selber sieht darin keine Beeinträchtigung seiner Rolle als Verleger. Er rechnet vielmehr vor, daß ein solches Buch anders überhaupt nicht mehr zu produzieren sei. Bei einer Verlagskalkulation, die den reinen Herstellungspreis eines Buches mit dem Faktor vier – nämlich den übrigen Verlagskosten, einschließlich Buchhandlungsrabatten – multipliziert, um den endgültigen La-, denpreis zu ermitteln, müßte eine solche Monographie im Umfang von rund hundert Seiten mit Farbabbildungen fast achtzig Mark kosten.

In diesem speziellen Fall hatte auch der Künstler gegen das Verfahren nichts einzuwenden. Er betrachtet ein solches Buch als eine Art Werbung für seine Kunst und hält kritischen Einwänden entgegen, ohne Eigenbeteiligung des Künstlers wäre ein Verleger überhaupt nicht mehr bereit, solche Bücher zu produzieren. Mit Wehmut denkt man an große Verlegerpersönlichkeiten vergangener Jahrzehnte zurück, die durch ihre Risikobereitschaft manchem avantgardistischen Künstler zum Durchbruch verholfen haben. Denn in Wahrheit ist dieses Finanzierungsmodell nämlich längst zum Regelfall in den Verlagen geworden. Selbst international renommierte Künstler sind von solchen Forderungen der Verlage nicht ausgenommen.

Der wissenschaftlich begründete Rang eines Künstlers wird sich natürlich nicht nach der Zahl der über sein Werk publizierten Bücher allein bemessen. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, daß solche im Grunde äußerlichen Kriterien doch eine erhebliche Bedeutung erlangen können. Die eigentliche kulturpolitische Aufgabe der Verleger, nämlich durch ihre sorgfältige Lektoratsarbeit und die Übernahme des verlegerischen Risikos zur Bedeutung eines Künstlers das Ihre beizutragen, wird in diesen Fällen jedenfalls aufgegeben. Andererseits kann sich heute ein mittelmäßiger Künstler, wenn er nur genügend Kapital besitzt, seine eigene Monographie kaufen. In der Branche sind genügend Beispiele bekannt, wo entweder der Künstler selber oder Galerien, die an dem Erfolg eines ihrer Künstler interessiert waren, oder aber Sammler aus spekulativen Interessen solche Bücher finanziert haben. Im Extremfall könnten sich so Verlage bilden, die nur noch die Verteilung von Büchern übernehmen.

Bei einigen Verlegern hat jedoch inzwischen trotz der angeblichen ökonomischen Zwänge ein Umdenkungsprozeß eingesetzt. So erklärt der DuMont-Verlag, der in den vergangenen Jahren bedeutende Monographien über Mondrian, Schwitters, Duchamp und Klee herausgebracht hat, er verzichte in der Zukunft weitgehend auf die Publikation von Monographien, wenn diese nicht – wie früher üblich – in einer internationalen Kooperation mit anderen Verlagen finanziert werden Können. Das bedeutet freilich vor allem für lebende, gar avantgardistische Künstler, daß sie kaum je mit einer Publikation ihres Werkes rechnen können. Schon heute müssen auch so international erfolgreiche Künstler wie Joseph Beuys für ihre Bücher Zuschüsse leisten.