ZEIT: Das Bundeskartellamt ermittelt gegen 167 deutsche Bauunternehmen, die durch verbotene Preisabsprachen öffentliche Auftraggeber, Firmen, die Kirche, Privatleute und sogar das Rote Kreuz geschädigt haben sollen. Dies ist der bisher größte Bauskandal der Bundesrepublik. Gehören Preiskartelle zum täglichen Geschäft am Bau?

Herion: Den Begriff Bauskandal halte ich für überzogen. Es gibt immer wieder Absprachen. Das ist nicht zu bestreiten. Es ist auch keine Frage, daß Bauunternehmer unter den gegebenen Umständen zu diesen Absprachen, die ich als: spontane Zusammenschlüsse bezeichnen möchte, mehr aus menschlicher Verzweiflung, weniger aus einer grundsätzlichen Einstellung heraus greifen. Aber diese spektakulären Fälle, über die Sie berichtet haben, halte ich nicht für typisch.

ZEIT: Aber wenn das Bundeskartellamt gegen 167 Baufirmen ermittelt, kann das auch nicht völlig untypisch sein.

Herion: Wir haben mehr als 50 000 Firmen. Und in diesen Fall sind auch sehr kleine Betriebe verwickelt...

ZEIT: Aber eben auch alle Großen, darunter eine, nämlich Hochtief, bei der Sie stellvertretendes Vorstandsmitglied waren.

Herion: Die Großen sind mit einem dichten Netz von Niederlassungen im ganzen Bundesgebiet tätig. Zwangsläufig besteht da auch die Gefahr, daß sie mehr verwickelt sind in Dinge dieser Art als kleinere Firmen.

ZEIT: Meinen Sie, die Vorstände der großen Bauunternehmen hätten nicht gewußt, was in ihren Niederlassungen gelaufen ist?