Hervorragend

Randy Newman: „Trouble In Paradise“. An genau welchem Punkt die affirmative Aussage in ironische Doppelbödigkeit umschlägt und das „positive Denken“ sich ins satirische Gegenteil verkehrt, ist auch bei den neuen Songs des Randy Newman manchmal nicht auszumachen. Aber eben das gehört zu ihren Qualitäten. Und wenn er Lieder mit programmatischen Titeln wie „My Life Is Good“ oder „I Love L. A.“ singt, geizt er nicht mit Selbstironie. Besserwisserische Bonhomie war nie das Motiv seiner Rock-Satiren. Auch hier schlüpft er wieder in Rollen, beispielsweise in die des selbstgerechten Rassenfanatikers („Christmas In Capetown“), des sonnenhungrigen Touristen („Miami“), des aufstrebenden Amerikaners, dessen Leben durch ein Mädchen ruiniert wurde („Take Me Back“), und eines Mannes, dem die Frau durchgebrannt ist und der sich bei seinem Freund, dem Barmann, darüber beschwert, daß alles so viel schlechter ist, seit Neger, Mexikaner und Chinesen ins ehemals weiße Wohnviertel gezogen sind. Er sing ein wunderschönes Liebeslied für ein heroinsüchtiges Mädchen („Same Girl“), und im letzten, dem düsteren „Song For The Dead“ auf dieser Platte, spielt er einen Soldaten, der die Gefallenen auf dem Schlachtfeld begraben und ihnen am Grab erklären muß, warum sie jetzt für immer neben den gooks (Schimpfwort für „Schlitzaugen“) liegen werden. Es ist neben John Prines „Sam Stone“ einer der bittersten Rock-Abgesänge auf das Vietnam-Trauma und seine Nachwirkungen. Mit ihren Ragtime- und Rockabilly-Rhythmen, den Balladen und dem komischen Versuch, so etwas wie chinesische Discomusik zu komponieren (mit „Mikey’s“), ist dies eine der großen Randy-Newman-Platten geworden. (Warner Bros. 92.3755) Franz Schöler

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Randy Newman geht auf Tournee. Seine Auftritte: 25. 1. Düsseldorf, 26. 1. Frankfurt, 27. 1. Zürich, 28. 1, Stuttgart, 29. 1. Hamburg, 30, 1, Köln, 1. 2, Stockholm, 2, 2. Oslo, 5. 2. Berlin, 16. 2. München.

Hörenswert

The Sands Family: „Teil me what you see“. Also gibt es sie immer noch, und sie hegen und pflegen nach wie vor und mit nicht erlahmter Leidenschaft das irische Volkslied (und den Volkstanz) und steuern nach Kräften auch eigene Lieder bei. Es ist sympathisch, wie sie die alten Gesänge vortragen: mit eher zurückhaltendem, niemals forciertem Engagement, das der Tradition den Charme des (unvergessenen) Vergangenen läßt und ihr keine platte Aktualisierung aufnötigt: die Botschaften sind bitter genug. Mit den eigenen Liedern passen sich die drei Musikanten Tom, Ben und Colum Sands an, ohne sich gleich anzubiedern, und nutzen die Gelegenheit zu kritischen (und ironischen) Bemerkungen, zum Beispiel über McDonald’s und „Dallas“ in Deutschland, über Nordirland, über das Wettrüsten. Wie bei diesem Verlag üblich, sind die englischen (und ins Deutsche übersetzten) Texte mitsamt hilfreichen Anmerkungen auf einem Beiblatt beigefügt, (Verlag „Pläne“ 88 303) Manfred Sack