Am späten Nachmittag des 13. Mai 1981 fährt vor der kanadischen Botschaft in Rom in der Via della Conciliazione ein Auto vor. Vier Männer verlassen den Fiat 124 und gehen zu Fuß die kurze Strecke zum Petersplatz, wo gleich Johannes Paul II. seine übliche Mittwoch-Audienz geben wird. Die Männer verteilen sich in der Menge; sie haben Pistolen und Handgranaten dabei. Als der Papst im offenen Wagen durch das Spalier der Pilger fährt, zückt einer der vier seine Browning HP 35, Kaliber 9, und feuert vier Schüsse ab. Lebensgefährlich verletzt bricht der Heilige Vater zusammen. Ein Attentat auf den Papst!

Für den Täter gibt es in der Menge kein Entrinnen. Zwei Monate später wird der Türke Mehmet Ali Agca von einem römischen Gericht im Schnellverfahren zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Jahr lang schweigt er beharrlich. Dann, im Mai 1982, packt er aus: Seine Komplizen seien Führungsoffiziere des bulgarischen Geheimdienstes – und der bulgarische Geheimdienst, das weiß man, ist der lange Arm Moskaus.

Hätte ein Verfasser von Verschwörungsthrillern diese Story erfunden, sie wäre ihm als allzu platt wieder ausgeredet worden. Doch am 25. November 1982 wird in Rom der Leiter des Büros der staatlichen bulgarischen Fluggesellschaft „Balkan Air“, Sergej Antonow, wegen Beihilfe zum Papstattentat verhaftet. Jetzt horcht die Welt auf. Mittlerweile ist der ehemalige oberste Polizist der Sowjetunion zum Parteichef aufgerückt Jurij Andropow – Drahtzieher einer Terrorinternationale?

Die bekannte amerikanische Terror-Spezialistin Claire Sterling schreibt in Reader’s Digest: „Mehmet Ali Agca war weder ein Wirrkopf noch handelte er auf eigene Faust.“ Ihre Schlußfolgerung: Der junge Türke diente einem weitverzweigten internationalen Komplott als Werkzeug.

Italiens sozialistischer Verteidigungsminister Lelio Lagorio brandmarkt den Anschlag als „einen Kriegsakt in Friedenszeiten“. Die geplante Ermordung des Papstes sei die „Alternative zum Einmarsch in Polen“ gewesen.

Oberst Stefan Swredlew, Ex-Chef des bulgarischen Geheimdienstes und seit drei Jahren im Westen: „Ich habe keinen Zweifel an der Mitwirkung der Bulgaren, aber der Befehl kam vom KGB.“

Der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger: „Es ist ziemlich schlüssig, daß Andropow in das Papst-Attentat verwickelt ist.“