Die BP-Manager können ihren jungen Mitarbeitern keine Hoffnung für die Zukunft machen

Herr von Waldow hat auch klein angefangen, als Lehrling bei einem Bananenhändler in Hamburg. Er hat "bestimmt nicht gelitten in der Zeit – wer dreimal in der Woche abends Sprachen gelernt". Heute ist Herr von Waldow Vorstandsmitglied der deutschen Tochter des Energie-Multis BP. Er sucht den Kontakt mit der Jugend. Die Lehrlinge seines Unternehmens sollen von seiner Generation ruhig was lernen. Wie die 17 Auszubildenden, die sich für zehn Tage im "Haus am Pfefferberg" in Großensee bei Hamburg zusammengefunden haben und nun, unter fachmännischer Begleitung, das Thema "Politische Gewalt und Konfliktlösung" erörtern.

Gerade war der Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg, Alfons Pawelczyk (SPD) da, um für ein Stündchen Dialog mit der Jugend zu treiben – und nun ist eben Ehrenfried von Waldow der Gesprächspartner der 17 jungen Leute, die in BP-Betrieben in Bayern und Berlin, Frankfurt, Stuttgart und Hamburg in der Lehre stehen: als Chemiefacharbeiter und Industriekaufleute, Wirtschaftsassistenten und Bürogehilfinnen. Die deutsche BP Aktiengesellschaft bietet offenbar eine Ausbildung, von der viele Lehrlinge nur träumen können. Dazu gehören auch solche politischen Seminare, die jeder Auszubildende während seiner Lehrzeit mindestens einmal mitmacht. Vier Mitarbeiter der Personalabteilung bereiten sie vor und sorgen für intensive Diskussionen.

Für die berufliche Zukunft der 17 jungen Leute können sie nicht sorgen; ihre Sorgen müssen die hoffnungsfrohen und wißbegierigen Jugendlichen allein tragen. Keiner von ihnen, damit müssen sie rechnen, wird wohl nach seiner Lehre bei BP in ein Arbeitsverhältnis übernommen: "Am Tag nach meiner bestandenen Prüfung", meint ein zukünftiger Industriekaufmann, "bin ich erst mal ohne Beschäftigung; aber dann kommt Gott sei Dank nach ein paar Monaten die Bundeswehr, und so habe ich die Hoffnung, wenigstens für 15 Monate eine krisensichere Tätigkeit zu finden".

Die Deutsche BP hat, wie so viele Betriebe, enorme wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ein erheblicher Teil des Personals soll/muß "abgebaut" werden – wie viele genau, hat die Konzernspitze nicht gesagt, Gerüchte sprechen von einem Drittel. Da ist natürlich nicht daran zu denken, die jungen Leute, denen man ja wenigstens eine Ausbildung fürs Leben mitgegeben hat, in ein anschließendes Arbeitsverhältnis zu übernehmen. Vorläufig wird also für junge Leute bei BP ein Einstellungsstopp bestehen – und seien sie auch noch so hoffnungsfroh und wißbegierig. Das hat seine Konsequenzen: "In fünf Jahren haben wir eine Altersstruktur, das ist ’ne Katastrophe", weiß auch Ehrenfried von Waldow, "es macht mir große Sorgen, wie wir das auffangen sollen." Für die aktuellen Sorgen der jüngsten Angehörigen des Hauses hat Herr von Waldow ein paar gute Ratschläge parat. Von seiner Lehrzeit erzählt er da und wie er, dreimal die Woche abends, zusätzlich Sprachen lernte: "Und ein bißchen mehr als die acht Stunden am Tag, das muß man schon leisten – leichter kann ich es Ihnen nicht machen." Doch zugleich weiß er, daß es den 17, die da locker im Kreis um ihn herum sitzen, überhaupt nichts nutzen würde, selbst wenn sie sieben Tage in der Woche mehrere Sprachen lernen würden; schließlich: "Wir haben Sie so gut ausgebildet, soviel Geld in Sie investiert, es gibt gar keinen Grund, daß wir Sie nicht nach der Lehre übernehmen." Kleine, wirkungsvolle Pause. "Außer, daß wir keinen Arbeitsplatz für Sie haben." Hoffnung wieder weg.

Daß man reichlich in sie investiert hat, wissen die 17 auch. Erst im Frühjahr, erzählt einer, wurde "mit großem Tamtam" für eine Million Mark eine neue Ausbildungswerkstatt bei der Hamburger BP-Raffinerie eingeweiht: "Und heute werden da drei Leute ausgebildet, und wenn die im Sommer fertig sind, ist da alles tot." Herr von Waldow möchte nicht, daß der Eindruck entsteht, das BP-Management könne nicht planen. Die Ausbildungswerkstatt, darauf weist er hin, ist schon vor einigen Jahren beschlossen worden: "Und wenn mir jemand damals gesagt hätte, welche wirtschaftlichen Schwierigkeiten wir heute haben, dann hätte ich das nicht geglaubt – und da befinde ich mich in guter Gesellschaft." Im übrigen sei hoch gar nicht geklärt, ob es denn nun auch einen Ausbildungsstopp in jedem Bereich von BP geben werde und außerdem könne man ja eventuell auch die neue BP-Lehrwerkstatt als ein überbetrieblichhamburgisches Ausbildungszentrum nutzen.

Seine Jugendlichen bleiben hartnäckig. Sie denken an ihre Altersgenossen, die sich in diesen Tagen und Wochen bei BP um eine Lehrstelle bemühen. In deren Lage können sie sich noch gut hineinversetzen: "Den Leuten, die sich um einen Platz beworben haben, muß man aber doch Bescheid geben, sonst laufen die doch weg, die muß man sich doch warmhalten," Herr von Waldow kann sich da nicht so recht hineinversetzen: "Die Leute sind alle zu aufgeregt; wenn ich das immer höre, ‚die guten Leute laufen uns alle weg‘ – das ist doch alles hysterisch." Er sieht den renitenten Fragesteller an, ruhig, sachlich, freundlich gibt er ihm Bescheid: "Warum sollen wir uns die Leute warmhalten? Wenn wir ein Jugendarbeitsproblem haben, dann kriegen wir die auch."