Die Röntgenastronomen warten auf den Einsatz des deutschen Forschungssatelliten Rosat

Von Horst Rademacher

Das „große Fressen“ im Film fand in einem einsamen Landhaus statt. Die größte aller Freßorgien gibt es freilich weder im Film noch sonstwo auf der Erde. Denn selbst die gierigsten Schlinger sind harmlos im Vergleich mit jenen Gebilden, die pro Sekunde einen ganzen Planeten schlucken.

Die Vielfraße des Universums sind sogenannte supermassive Schwarze Löcher – bizarre Gebilde, die sich Astrophysiker aus Meßdaten zusammengereimt haben. Die Superschiinger sollen im Zentrum der Quasare, sternähnlicher Objekte, sitzen und dort ihren Heißhunger stillen.

Bislang sind die supermassiven Schwarzen Löcher allerdings nicht mehr als graue Theorie, wie Professor Joachim Trümper bekennt: „Wir suchen noch immer nach einem charakteristischen .Fingerabdruck’ dieser Gebilde.“ Der Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching bei München muß wohl noch einige Jahre warten, bis er über das dazu notwendige Instrumentarium verfügt: In drei Jahren soll der deutsche Forschungssatellit Rosat das Universum nach Röntgensignalen durchmustern. Im Bereich dieser kurzwelligen Strahlung, darin sind sich die Astronomen einig, muß nach den Merkmalen der Schwarzen Löcher gesucht werden.

Immerhin hatte Trümper schon einmal Glück beim Erforschen rätselhafter Sternengebilde. Zusammen mit seiner Arbeitsgruppe und Astronomenkollegen aus Tübingen hatte er vor sechs Jahren eine merkwürdige Zacke im Spektrum der kosmischen Röntgenquelle Herkules X-l entdeckt: Herkules, X-l sendet in einer bestimmten Wellenlänge besonders heftig.

Nach einigen theoretischen Überlegungen blieb den Wissenschaftlern nur der Schluß, daß diese Zacke von der Bewegung von Elektronen in einem ungeheuer starken Magnetfeld stammen konnte. Die Feldstärke muß demnach billionenmal größer sein als die des irdischen Magnetfeldes. Trümpers Gruppe bewies damit zum erstenmal, daß Neutronensterne ein Magnetfeld besitzen.