Je mehr sich der Kapitalmarktzins von acht Prozent nach unten entfernt, desto höher wird bei den festverzinslichen Papieren das Kursrisiko. Was läßt sich dagegen tun?

Während die Zinsen weltweit sinken und sie auch in der Bundesrepublik ihren niedrigsten Stand noch nicht erreicht haben, sind einige Kreditinstitute dazu übergegangen, ihre Kundschaft auf eine Wende im Zinstrend vorzubereiten.

So die Westdeutsche Landesbank: „Bei Neuanlagen sollte berücksichtigt werden, daß im weiteren Verlauf von 1984 und besonders 1985 – sollte dann die Konjunktur wieder deutlich an Fahrt gewonnen haben – die Zinsen wieder steigen könnten. Somit sind in diesem Jahr Anlagen in Wertpapieren mit vier bis fünf Jahren Laufzeit empfehlenswert.

Oder die Oldenburgische Landesbank: „Daß bei aller vom Rentenmarkt demonstrierten Festigkeit die Grenzen der Zinssenkung gesehen werden, zeigt sich daran, daß sich das Kaufinteresse der Anleger zum drei- bis fünfjährigen Laufzeitbereich hin verlagert in der Annahme, daß der Zinszyklus dann wieder einen ansteigenden, über den heutigen Stand hinausgehenden Trend aufweisen wird.

Wenn die Sparkassen seit Monaten dabei sind, Gelder, die bei ihren Kunden aus Zins- und Rückzahlungen (vor allem bei Termineinlagen) frei werden, in eigene Sparbriefe und Obligationen mit kurzen Laufzeiten zu lenken, dann liegen dem nicht nur Motive zugrunde, die in der eigenen Geschäftspolitik zu suchen sind. Ich möchte unterstellen, meine verehrten Leser, daß die Kassen ihre Kunden vor dem sich abzeichnenden Kursrisiko schützen wollen, das sich besonders in den langlaufenden börsennotierten festverzinslichen Papieren abzuzeichnen beginnt.

Möglicherweise kommt der Wiederanstieg der Zinsen rascher, als wir alle ahnen. Mit Sicherheit würde ein Ausgang der Bundestagswahlen, der die Installierung einer von der SPD geführten Bundesregierung unter Tolerierung der Grünen erlaubt, auch den Rentenmarkt nicht ungeschoren lassen. Um ihr angekündigtes Beschäftigungsprogramm finanzieren zu können, wird die SPD auf eine noch höhere Staatsverschuldung angewiesen sein. Inwieweit dies zu Kapitalverlagerungen von der Bundesrepublik in die USA führen wird und wie sich die Ausländer verhalten werden, die in den letzten Monaten vor allem in Erwartung einer weiteren Aufwertung der Mark festverzinsliche deutsche Wertpapiere erworben haben, ist Gegenstand von Spekulationen.

Von der gelegentlich in den Börsensälen zu hörenden Angstthese, wonach man am 6. März keine deutschen festverzinslichen Papiere mehr besitzen dürfe, halte ich nichts. Wohl aber von einer gewissen Zurückhaltung bei Neuanlagen. Und dies nicht nur im Zusammenhang mit der Bundestagswahl. Wer sich kein Kursrisiko leisten kann, sollte sich in der Tat um die von Banken und Sparkassen angebotenen Sparbriefe kümmern, besonders um solche, die einen jederzeitigen Verkauf ermöglichen, auch wenn diese Art von Papieren meist mit variablen Zinssätzen ausgestattet sind, die erst am Laufzeitschluß am höchsten liegen.