ZEIT: Als die Körting-Werke 1978 in eine schwere Existenzkrise gerieten, waren Sie skeptisch gegenüber dem „sozialistischen Experiment im kapitalistischen Westen“, dem Einstieg des jugoslawischen Genossenschaftskonzerns Gorenje in das Unternehmen. Gab es damals keine andere Möglichkeit, den Betrieb zu erhalten?

Jaumann: Ich war nicht skeptisch gegenüber der Absicht des jugoslawischen Unternehmens, hier im marktwirtschaftlichen Rahmen tätig zu werden. Bedenken hatte ich allerdings wegen der bereits damals recht schwierigen Marktsituation in der Unterhaltungselektronik-Industrie. Deshalb wurde das Engagement von Gorenje als „letzte Rettung“ angesehen.

ZEIT: Warum war es denn so schwer, im Westen jemanden für Körting zu interessieren?

Jaumann: Schon vor fünf Jahren gab es zuviele und nicht voll ausgelastete Produktionskapazitäten in dieser Branche. Das Hauptproblem für uns alle war, ob am Standort Bundesrepublik mit solch relativ geringen Stückzahlen wie bei Körting angesichts des hohen Lohnniveaus und der beträchtlichen Fixkosten überhaupt noch rentabel produziert werden könnte. Ich hatte damals allerdings die Hoffnung, daß die Jugoslawen mit ihren weltweiten Handelsverpflichtungen besonders in der Dritten Welt und im Ostblock einen zusätzlichen Markt erschließen und dabei von der angesehenen Marke Körting profitieren könnten.

ZEIT: Die anderen scheuten alle das Risiko?

Jaumann: Grundig und die amerikanische GTE (General Telephone and Electronics), mit der ebenfalls intensiv und mit großen Erwartungen verhandelt wurde, erklärten damals übereinstimmend, daß sie mindestens fünfzig Millionen Mark neues Kapital in Grassau benötigten. Und das wollten sie nicht in eine Sache stecken, die sie unsicher dünkte.

ZEIT: Vor zwei Jahren kamen aber plötzlich recht euphorische Berichte aus Grassau, und die Belegschaft wurde auf 1400 Mitarbeiter ausgeweitet. Glaubten Sie an einen Erfolg des jugoslawischen Engagements?