Windig

„Der Sturm“ von Paul Mazursky. Der unsterbliche Shakespeare hat schon vieles überstanden. Ob man seine Stücke zu Tode flüstert oder brüllend massakriert, ob ein Waschmittel „Ariel“ heißt oder ein Staubsauger „Prospero“: Es ist ihm alles einerlei. So wird er auch jene Verballhornung gnädig ertragen, die seiner letzten Komödie „Der Sturm“ vom amerikanischen Regisseur Paul Mazursky („Eine entheiratete Frau“) angetan wurde. Das faszinierende Ehepaar Gena Rowlands und John Cassavetes spielt hier ein bemerkenswert uninteressantes Ehepaar mit uninteressanten Neurosen und konfektionierten Sehnsüchten. Phillip/Prospero (Cassavetes) ist der „König der Architekten“ und hat doch einen grenzenlosen Haß auf alles, auf sich selber, seinen Erfolg, seine Mitmenschen. Und so verkündet er eines Tages, wenig überraschend: „Ich steige aus.“ Ziel seines Ausstiegs ist eine griechische Insel, woselbst er in Gesellschaft seiner Tochter Miranda und der netten Aretha/Ariel (Susan Sarandon) so bewegenden Fragen nachsinnt wie der, „warum die Natur die Wahrheit sagt, die Menschen aber nicht“. Behäbig und spielfilmhaft, ganz ohne die nervöse Energie der Cassavetes-Filme, erzählt Mazursky seine und Shakespeares Geschichte. Der Film verhält sich in jeder Minute touristisch – zu den Landschaften genauso wie zu den Leiden der Figuren. Wer Shakespeares Verse im Ohr hat, den wird das endlose New Yorker Problemgerede besonders nerven. Am Ende des „Sturm“ kehrt Prospero nach Mailand zurück, dort soll das Grab sein „dritter Gedanke“ sein. Prosperos Nachfahr Phillip kehrt, wundersam getröstet, mit Weib und Kind nach New York City zurück – auch Manhattan, belehrt uns jubilierend der Schlußgesang, ist „eine Insel der Freude“. Schlag nach bei Shakesspeare! Schlag zurück, Shakespeare! Benjamin Henrichs

Mittelmäßig

„Die Heartbreakers“ von Peter F. Bringmann könnte treffender „Die Painmakers“ heißen. Denn dieser „lustige Film mit oder über Musik“ (Bringmann), der vom beschwerlichen Aufstieg einer Amateur-Beatband aus dem Kohlenpott Mitte der sechziger Jahre erzählt, die allen kleinen Katastrophen zum Trotz auf ihrem Traum, vom großen Durchbruch beharrt, ist mitunter arg peinlich und prätentiös. Ohne die „echten“ Oldtimer (DKW, Goggomobil, Isetta), den „richtigen“ Sound (Animals, Kinks, Stones), den notwendigen „authentischen“ Hauch sozialer Tristesse auf Hinterhöfen in Recklinghausen würde man kaum ahnen, wann und wo die Geschichte spielt. Dasselbe Team (Regisseur Bringmann, Drehbuchautor Matthias Seelig, Kameramann Helge Weindler, Produzent Michael Wiedemann), das „Theo gegen den-Rest der Welt“ (1980) dank einer gewissen Portion nonchalanten Charmes und schnoddrigen Witzes zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme der letzten Jahre machte, begnügt sich hier mit einer geschwätzigen, schwunglosen Nummern-Revue. Bringmann, der sich zur zweiten Generation des neuen deutschen Films zählt, hat mit seinem zweiten Kinofilm bereits jene stupid-fröhliche Biederkeit erreicht, die seit eh und je (und nicht erst seit May Spils oder Klaus Lemke) deutsche „Komödien“ auszeichnet. „The Kids are allright“ immerhin: alles Laiendarsteller außer. Hark Böhms Pflegesohn Uwe Enkelmann. Die Szenen zwischen Bandleader Freytag (Sascha Disselkamp) und Möchtegern-Sängerin Lisa (Mary Ketikidou) sind sogar von oft anrührender Zärtlichkeit. Bringmann: „Wenn ich ins Kino gehe und nur die Spannung erlebe, die zwischen zwei Personen besteht, die sich ansehen, dann ist das ein guter Grund, ins Kino zu gehen.“ In seinem Film begnügt er sich leider allzu oft mit der betulichen Bebilderung von konturenlosen Typen in abgestandenen Klischee-Situationen und liefert jede Menge Gründe, nicht ins Kino zu gehen. Helmut W. Banz

Ärgerlich

„Das As der Asse“ von Gérard Oury ist eine – in München – gedrehte deutsch-französische Co-Produktion, bei der die Talente von Xaver Schwarzenberger (Kamera) und Rolf Zehetbauer (Ausstattung) auf peinliche Weise verschwendet sind. Jean-Paul Belmondo, der im Action-Genre gelegentlich noch eine gute Figur macht (zuletzt in Georges Lantners „Der Profi“), spielt hier einen gallischen Sports- und Hampelmann, der während der Olympischen Spiele von 1936 nicht nur eine jüdische Familie rettet, sondern auch bis zum Obersalzberg vordringt, wo ihn Adolf Hitlers Schwester Angela heftig begehrt. Vielleicht hätte der frühe Mel Brooks aus dieser Geschichte eine surreale Groteske machen können. Der Routinier Oury richtet nur ein quälendes Festival schlampig inszenierter Zoten an. Der kommerzielle Erfolg wird auch bei uns nicht ausbleiben. Hans-Christoph Blumenberg

Empfehlenswerte Filme p“ von Herbert Achternbusch. „Eine Som-

omödie“ von Woody Allen. „Die Fantome des Hutmachers“ von Claude Chabrol. „Victor/Victoria“ von Blake Edwards. „Normalsatz“ von Heinz Emigholz. „Yol“ von Yilmaz Güney und Serif Gören. „Von Mao zu Mozart“ von Murray Lerner. „Accattosche“ von Pier Paolo Pasolini. „E. T. – Der Außerirdische“ von Steven Spielberg. „Der Saustall“ von Bertrand Tavernier. „Der Stand der Dinge“ und „Hammett“ von Wim Wenders.