DIE ZEIT

Umworbenes Bonn

Drei Besucher folgen einander in Bonn in diesen Tagen, die allesamt das Ziel verfolgen, Einfluß auf die Politik der Bundesre-Dem sowjetischen Außenminister ging es darum, die Bundesrepublik aus der Nato-Entscheidung über die Nachrüstung herauszudrängen.

Angefochten

Es sind nicht irgendwelche Advokaten, sondern angesehene Rechtsprofessoren, die für drei Bundestagsabgeordnete Klage beim Bundesverfassungsgericht mit dem Ziel erhoben haben, die Verfassungswidrigkeit der Parlamentsauflösung und damit auch der für den 6.

Konkretes

Das Rätselraten über die Motive, aus denen die Bundesanwaltschaft mit Ermächtigung der Regierung Kohl die Redaktion des linken Hamburger Magazins Konkret und die Privatwohnungen von zwei ihrer Redakteure durchsuchen ließ, dauert an.

Leidiges Lied

Was waren das noch für Zeiten, als hierzulande die Devise galt, daß singe, wem Gesang gegeben. Heute fällt es uns schwer, den richtigen Ton zu finden.

Worte der Woche

"Wir müssen uns im Wahlkampf sehr intensiv mit der SPD auseinandersetzen und den großen Unterschied zwischen ihren Sonntagsreden und ihren politischen Taten erklären und ihren sehr kleinen Unterschied zur CDU.

Gromyko in Bonn: "Die Küken kommen erst im Herbst"

Wie Buster Keaton den Stummfilm, so hat Andrej Gromyko die Nachkriegsepochen und die sowjetische Außenpolitik begleitet: mit Leichenbittermiene, die Mundwinkel nach unten verzogen, den Oberkörper leicht verkrampft, als ließe ihn ein tiefgefrorener Erfahrungsschatz frösteln.

Zeitspiegel

Für Wahlkämpfer bemißt sich die außenpolitische Kompetenz auch nach der Anzahl ihrer Begegnungen mit den Großen dieser Welt.

"Einfach zu früh"

Sindelfingen darf sich im Moment die reichste Stadt der Bundesrepublik nennen – dank einer florierenden Automobilfabrik und eines erfolgreichen Computer-Herstellers.

Wolfgang Ebert: Winterschlußverkauf

Verbraucherzentrale: Diese strukturell bedingte Schneekrise ist hausgemacht und von den Schneemultis auf dem offenen Markt herbeigeredet worden, um durch eine künstliche Schneeverknappung die Preise für Superschnee nochzuhalten.

Historikertagung zur Machtübernahme 1933: Ortstermin für ein Ende

Wo, wenn nicht an diesem Platz, hätte diese Diskussion stattfinden sollen? Denn hier, wo sich das runde Tausend Historiker und historisch Interessierter versammelte, im Deutschen Reichstag in Berlin und dem Planquadrat um ihn herum, hat sich in der Tat der Schlußakt des deutschen Weges in die Diktatur abgespielt.

Der deutsch-französische Vertrag, der dieser Tage zwanzig Jahre wird, garantiert noch nicht deutsch-französisches Verstehen. Die psychologischen Hemmnisse zwischen beiden Nachbarvölkern beschreibt in seiner Analyse ein erfahrener Frankreichkenner.: Das oft verpaßte Rendezvous

Bei einem deutsch-französischen Kolloquium ging es jüngst um Geschichtsauffassung und Generationsfrage, und das eigentliche Ergebnis war ein doppelter Kontrast; Einmal zwischen der älteren deutschen Generation und einem Dutzend deutscher Gymnasiasten, die jedes Bedürfnis nach Identifikation durch Geschichte, oft sogar den Nutzen geschichtlicher Studien überhaupt leugneten.

"Das war nicht abzusehen"

Rentrop: Mit der Aushöhlung der Verfassung. Wir kommen auf diesem Wege dazu, das konstruktive Mißtrauensvotum nur noch als Eingangsstufe für eine Abwicklungs-Kanzlerschaft zu sehen.

DOKUMENTE ZUR ZEIT

sucht dich heim in solcher Situation. Es ist zwar dem Krieg ähnlich, aber doch anders, weil von dir selbst nichts abhängt. Das einzige, was du machen kannst, ist, ruhig im Sessel sitzen, durch das Fenster schauen und die Piloten bei ihrer Pflicht nicht stören.

Memoiren: Schüsse auf Breschnjew

Mit Umbesetzungen in der Innenpolitik und Abrüstungsofferten in der Außenpolitik hat Moskaus neuer Parteichef Andropow ein atemberaubendes Tempo angeschlagen.

Eine sowjetische Karriere

Selten ist in der Bundesrepublik über eine personelle Veränderung im sowjetischen Funktionärsapparat so intensiv berichtet worden wie über Walentin Falins Ausscheiden aus der Abteilung für Internationale Information des ZK der KPdSU.

Bulgarische Geschichten: Mit Dolch, Gas und Gift

Mord sei bei den Balkanvölkern noch das handlichste Mittel zur persönlichen Genugtuung oder Vereinfachung politischer Schwierigkeiten schrieb ein Kenner der bulgarischen Verhältnisse 1902, fünfundzwanzig Jahre nach der Befreiung des Landes vom Türkenjoch.

Kandidaten-Kür: Wegen der Parteiräson

Das Ende war gut: Am vergangenen Sonntag beschloß die bayerische SPD endgültig, über ihren Schatten zu springen und mit Peter Glotz an der Spitze in den Wahlkampf zu ziehen.

Schwarze Schafe im weißen Kittel

Ein Bochumer Apotheker hatte oft Grund zur Freude. Sein Gewinn lag meist deutlich über dem seiner Konkurrenten. Inzwischen freilich sanken seine Einnahmen auf Null.

Investitionen: Prügelknabe

Norbert Blüm, Bundesarbeitsminister und enfant terrible der CDU in Personalunion, bezieht derzeit Prügel von allen Seiten – was ihm aber recht gut zu bekommen scheint.

VW-Käfer: Nur billiger

Wenn das kein Krisenzeichen ist: Das Symbol des deutschen Wiederaufstiegs, der VW-Käfer, ist seit Montag billiger; 9395 Mark, fünfhundert Mark weniger als bisher, soll der Welt meistgebautes Auto nur noch kosten.

Bonner Kulisse

Wenn er wollte und sich getraute, könnte Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff in den kommenden Tagen einen neuen, ansehnlichen und sympathieträchtigen Konflikt mit den Unionsparteien beikommen.

Internationale Finanzkrise: Köder

Es klingt wie ein schlechter Witz: Obwohl die Schulden der Dritten Welt bei westlichen privaten Banken mehr als 600 Milliarden Dollar erreicht haben, wußte kein Bankier mit Sicherheit, ob die Länder, in denen die Schuldner ihren Sitz haben, nicht längst überschuldet waren.

Pfund-Kurs: Wenn die Chefin weg ist

Frau Thatchers Propagandisten können der Versuchung schwer widerstehen, zwischen ihrer Reise zu den Falkland-Inseln und dem Wohlergehen der britischen Währung eine Verbindung herzustellen.

Wendigkeit statt Wende

So beweglich und so anpassungsfähig, wie sie ihn nun erleben, haben ihn viele, die in Bonn mit ihm zu tun haben, gar nicht erwartet.

Lehrlinge: Ein Stündchen Dialog

Herr von Waldow hat auch klein angefangen, als Lehrling bei einem Bananenhändler in Hamburg. Er hat "bestimmt nicht gelitten in der Zeit – wer dreimal in der Woche abends Sprachen gelernt".

Tarifverhandlungen: Wer bekommt den Schwarzen Peter?

Bayerns Uhren gehen bekanntlich anders – die Tarif-Uhren machten da bisher keine Ausnahme. In diesem Jahr jedoch ticken sie zum ersten Mal wieder im Gleichklang mit denen der anderen IG Metall-Bezirke: Den sogenannten "Bayernmonat" (Tarifjargon), der besagte, daß die Verträge der Metallbranche dort einen Monat später ausliefen als im übrigen Bundesgebiet, gibt es in diesem Jahr nicht mehr.

Gespräche am Bankschalter: Gelbes Licht für Sparer

Während die Zinsen weltweit sinken und sie auch in der Bundesrepublik ihren niedrigsten Stand noch nicht erreicht haben, sind einige Kreditinstitute dazu übergegangen, ihre Kundschaft auf eine Wende im Zinstrend vorzubereiten.

Börsen-Report: Angekratzt

Mit dem Beschluß, die Investitionsanleihe nun doch nicht zurückzahlen zu wollen, haben CDU/CSU in den Börsensälen weiteres Vertrauenskapital eingebüßt.

Gescheitertes Experiment

ZEIT: Als die Körting-Werke 1978 in eine schwere Existenzkrise gerieten, waren Sie skeptisch gegenüber dem "sozialistischen Experiment im kapitalistischen Westen", dem Einstieg des jugoslawischen Genossenschaftskonzerns Gorenje in das Unternehmen.

"Made in Germany": Verblaßter Glanz

Volkswagen, BMW und die Kuckucksuhr – das ist alles, was einem Amerikaner normalerweise einfällt, wenn es um deutsche Markenprodukte geht.

ZEITRAFFER

Vorsichtig optimistisch beurteiltder Bundesverband deutscher Banken die deutsche Konjunkturlage: Steuerliche Entlastungen und billigere Kredite könnten die Unternehmen jetzt zu Investitionen veranlassen.

MANAGER UND MÄRKTE

Das Wettbewerbsgebaren des Branchenführers am heimischen Zigarettenmarkt, Reemtsma, wird, zitiert man einen Mitbewerber, "immer wahnsinniger".

Arbeitsmarkt: Plädoyer für ein Monopol

Der Erfindungsreichtum bei der Suche nach Schuldigen für die steigende Massenarbeitslosigkeit kennt keine Grenzen. Neben der Verunglimpfung der Arbeitslosen als "Drückeberger", die das soziale Netz mißbrauchen, wird jetzt immer häufiger ein Angriff auf das Vermittlungsmonopol der Arbeitsämter gefahren.

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