Es klingt wie ein schlechter Witz: Obwohl die Schulden der Dritten Welt bei westlichen privaten Banken mehr als 600 Milliarden Dollar erreicht haben, wußte kein Bankier mit Sicherheit, ob die Länder, in denen die Schuldner ihren Sitz haben, nicht längst überschuldet waren. Die meisten Bankiers liehen Geld ins Dunkle hinein. Und weil es einige taten, taten es bald alle.

Erst die Zahlungsunfähigkeit Mexikos holte die sonst so nüchternen Herren auf den Teppich zurück. Jeder einzelne wußte ja, wieviel er an mexikanische, brasilianische, argentinische, chilenische und venezolanische Kunden gegeben hatte – er wußte bloß wenig oder nichts vom Leichtsinn der anderen Banken. Deshalb hätten sich besonders die mittleren und kleinen unter ihnen am liebsten ganz aus diesem gefährlichen Geschäft zurückgezogen. Wenn das Schule machte, käme mit Sicherheit, was man vermeiden wollte: der große Krach,

Wie aber hält man die kleinen und mittleren Banken bei der Stange? Man muß ihnen etwas bieten, was bisher nur die großen hatten: Zugang zu den Informationen über die Schuldnerländer. So wurde die Idee einer Evidenzzentrale geboren und vor wenigen Tagen das "Internationale Finanzinstitut" gegründet, das diese Rolle übernehmen wird. Sein Domizil ist Washington, damit es mit dem Währungsfonds zusammenarbeiten kann, der die besten Informationen hat.

So verhindern die großen Banken, daß sich die mittleren und kleinen klammheimlich davon stehlen. R. H.