Das Rätselraten über die Motive, aus denen die Bundesanwaltschaft mit Ermächtigung der Regierung Kohl die Redaktion des linken Hamburger Magazins Konkret und die Privatwohnungen von zwei ihrer Redakteure durchsuchen ließ, dauert an. Bislang ist lediglich bekannt, daß den beschuldigten Journalisten "publizistischer Landesverrat" vorgeworfen wird. Sie sollen die "Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik" unter anderem durch die Enthüllung bundesdeutscher Geheimdienst-Aktivitäten im Vatikan und in der Umgebung des österreichischen Kardinals König heraufbeschworen haben.

Wer nur einen Augenblick nachdenkt, muß hier schon stutzen: Sollte die Verärgerung des Heiligen Stuhls oder seines Kardinals im neutralen Österreich über Schnüffeleien des Bundesnachrichtendienstes im Ernst unsere äußere Sicherheit bedrohen? Generalbundesanwalt Rebmann hielt das offenbar für möglich; er bestellte dazu schon im März vergangenen Jahres ein Gutachten beim Auswärtigen Amt. Die Antwort an den obersten Ankläger entbehrt nicht der Ironie: Das "traditionell gute Verhältnis" zu Papst und Kardinal habe unter der Konkret-Veröffentlichung schwerlich gelitten, die Sicherheit der Bundesrepublik auf keinen Fall. Aber vielleicht fürchtet der Generalbundesanwalt einen Vergeltungsschlag der Schweizergarde gegen die Bundesrepublik? Sr.