ARD, Sonntag, 23. 1., 30. 1., 6. 2., 20. 2., 27. 2., 6. 3., 13. 3., 20. 3., jeweils 10.00 Uhr: Robert Hughes’ "Der Schock der Moderne", aus dem Amerikanischen und deutsche Bearbeitung Wibke von Bonin.

Immer hereinspaziert: Robert Hughes, ein noch junger Mann mit einem gemütlichen Gesicht und plüschigen Locken, steht in Rom, Paris und Brasilia. Er chauffiert sein Cabriolet durch die Häuserschluchten von Manhattan oder kommt über eine Parkwiese geschlendert und lädt uns ein, mit ihm zu fahren, fliegen, schlendern auf dieser Reise zur Kunst, die, so steht es in dem Buch zur Fernsehserie zu lesen, 400 000 Flugkilometer lang war (es ist im Econ-Verlag erschienen, hat 432 Seiten und kostet 98 Mark).

Robert Hughes, der brillante und meinungsfreudige Kunstkritiker des amerikanischen Time magazine, hat eine achtteilige Fernsehserie über die Kunst der Moderne gemacht, die nun, nachdem sie zuerst durch die dritten Programme lief, auch ins Erste Programm übernommen wird. Worauf sich der Fernsehzuschauer (der schon um 10 Uhr morgens sehen kann und mag!) freuen darf, denn nicht immer wird Kunst im Fernsehen so locker Und pointiert zugleich angeboten.

Hughes spult nicht, und das ist der Vorteil und Reiz seiner Methode, eine fortlaufende Geschichte der Moderne ab, sondern er fächert das Thema linear auf, gliedert es in einzelne Schwerpunkte. So beschreibt er zum Beispiel in der ersten Folge ("Das mechanische Paradies") die Faszination durch die Technik zu Beginn des Jahrhunderts, die durch die industrielle Revolution veränderte Sehweise der Menschen und der Künstler, die, von Cézannes Erfahrung ausgehend, im Kubismus, Rayonismus und Futurismus den Fortschritt auf ihre Weise reflektierten; so schildert er, ein besonders gelungenes Ka-Eitel, in "Unruhe in Utopia" den Aufbruch der Architektur mit Peter Behrens, Mies van der Rohe, Gropius und dem Bauhaus und zeigt am Beispiel von Brasilia die Pervertierung fortschrittlicher Absichten durch politische Skrupellosigkeit.

Und so stellt er im letzten Film ("Das Ende der Moderne") mit der sich dem Zuschauer und Käufer weitgehend entziehenden Land-Art die Frage nach dem Wohin der Kunst. Hughes ist da, am Ende in einem Gartenstuhl am Eiffelturm, dem Ausgangspunkt seiner Reise, sitzend, von fröhlichem Pessimismus: eine vordergründige Originalität, der Verlust von Spiritualität und ein allzu früh entwickeltes Karrieredenken scheinen ihm, zusammen mit einer unkritischen Toleranz von Museumsleuten, Galeristen und Kritikern, der zeitgenössischen Kunst den avantgardistischen Geist abgekauft zu haben. Es gibt Einwände gegen diese Serie: der manchmal etwas hektische Entertainer-Ton hat gelegentlich eine entsprechende "Dalli-Dalli"-Reaktion zur Folge: das Gesagte plätschert unverstanden an einem vorbei. Bei etwas mehr Ruhe würde man manchmal auch gern etwas mehr Information haben: Wer sind denn all die würdigen Herren auf dem Bauhaus-Photo? Daß dort nicht nur Architekten, sondern Maler wie Kandinsky, Klee und Schlemmer herumstanden, wäre schon einen Halbsatz wert gewesen. Aber in solchen Verkürzungen liegen natürlich auch Wertungen, und wo, da ist Hughes sehr traditionell, hier die Schwerpunkte liegen, da lagen sie schon, immer: in Frankreich bis Kriegsbeginn, danach in New York. Aber trotz größerer und kleinerer Einwände: Diese Serie (die eine gute Mischung bietet von Information und Kommentar) zu sehen, ist ein Spaß und ein Gewinn.

Petra Kipphoff