Was waren das noch für Zeiten, als hierzulande die Devise galt, daß singe, wem Gesang gegeben. Heute fällt es uns schwer, den richtigen Ton zu finden. Die markigen Gesänge der Vergangenheit klingen vielen noch zu schrill im Ohr, und deshalb schweigen wir lieber.

Die deutsche Sangeslust zu fördern, haben sich nun zwei Organisationen vorgenommen. Zum einen will die rechtsgewirkte "Konservative Aktion" Schallplatten mit allen drei Strophen des Deutschlandliedes an Hamburger Schulen verteilen; die Kinder sollen endlich wieder wissen, wie groß Deutschland sein könnte – "von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt". Zum anderen ist die Bundeswehr dabei, einen widerborstigen Schützen zum Singen des "Panzerliedes" zu zwingen; er soll endlich einsehen, daß es zur Wehrertüchtigung gehört, den Tank als "ehernes Grab" zu verherrlichen.

Nun singt mal schön? Theodor Heuss, der uns einst zur Absage an gesungenen Größenwahn bewegte, hätte in diesen beiden Fällen gewiß weniger ermutigende Worte parat. Zu Recht. Politisch Lied war für uns oft genug ein garstig Lied. Es geht schließlich auch weniger martialisch. Wenn wir uns schon musikalisch aufschwingen wollen, dann doch lieber hoch auf den gelben Wagen. D. B.