Studenten auf der Suche nach Information und Lebenshilfe

Von Stefanie Kötter

Yvette war im Kunstunterricht immer gut gewesen. Die 19jährige hatte während ihrer Schulzeit oft Plakate gezeichnet und die Schülerzeitung illustriert. "Deshalb kam für mich nur der Studiengang "Freie Kunst‘ an der Hamburger Uni in Frage." Doch Yvettes Arbeitsproben konnten die Verantwortlichen dieser Fakultät nicht überzeugen – das Wintersemester begann ohne sie. Nun will die Abiturientin so lange jobben. bis sie mit ihren Arbeitsproben die Aufnahmeprüfung zum Studium der "Freien Kunst" besteht, "Und wenn ich die wirklich nicht schaffen sollte, dann mache ich etwas in Richtung Psychologie, Sozialpädagogik oder Philosophie.

Der 20jährige Andreas aus Hamburg hatte nie ganz genau gewußt, welcher Beruf für ihn in Frage kommt. Vor einigen Monaten hatte er angefangen, Flugzeugbau zu studieren. "Da werden einem Maine, Physik und Mechanik reingetrümmert, alles nur reine Theorie", erzählt er. "Nach vier Wochen merkte ich dann, daß das wohl nicht das Richtige für mich ist." Nun hofft er auf einen Studienplatz an der Hamburger Fachhochschule für Modedesign. Die Chancen sind schlecht: Für 200 Plätze im nächsten Sommersemester haben sich über 800 Interessenten beworben. "Das Warten finde ich auf die Dauer nervig", meint Andreas jetzt. Deshalb soll wenigstens der nächste Entschluß der richtige sein.

Yvette und Andreas sind zwei von über 120 Studenten und Studiosi in spe, die sich an einem ganz gewöhnlichen Tag im Wintersemester an das Beratungszentrum der Hamburger Universität wenden. Hier stehen den Ratsuchenden 14 Diplompsychologen zur Seite, wenn es etwa darum geht, die Berufschancen eines promovierten Holzwirtschaftlers und den jüngsten Stand des Numerus clausus für Mediziner auszukundschaften oder die Prüfungsordnung für den Magister in Germanistik zu entschlüsseln.

Herz ausschütten

Doch die Hilfe des Beratungszentrum: geht über die Beantwortung studienspezifischer Fragen hinaus. Jedes Jahr werden rund 450 Studenten der Hamburger Universität auch psychotherapeutisch betreut. Diese Kombination von Studienberatung und psychologischer Hilfestellung hat sich nicht zufällig ergeben. "Auf diese Weise wollen wir auch diejenigen Studenten dazu ermutigen, bei uns ihr Herz auszuschütten, die sich eigentlich nur eine Informationsbroschüre abholen wollten", sagt Ursula Lindig, die seit über zwanzig Jahren die Beratungsstelle leitet. Denn viele hätten nicht den Mut, sich bei einer Institution auszusprechen, die etwa als "psychotherapeutischer Dienst" etikettiert wäre.