Das Wettbewerbsgebaren des Branchenführers am heimischen Zigarettenmarkt, Reemtsma, wird, zitiert man einen Mitbewerber, "immer wahnsinniger". Um seine neue Billigmarke "West" dem Handel nachhaltig ans Herz zu legen, versprechen die Hamburger Zigarettenhersteller eine Prämie besonderer Art. Schon jetzt nämlich soll der Handel an der Berlin-Präferenz teilhaben, obwohl Reemtsma erst vom Herbst dieses Jahres an die Marke "West" steuerbegünstigt in Berlin produziert.

Bereits im Dezember letzten Jahres hatte Reemtsma-Chef Horst Wiethüchter in einem Schreiben dem Handel mitteilen lassen, daß die "R 6"-Produktion schubweise nach Berlin verlagert wird und zugleich – wieder wegen des Berliner Steuervorteils – einen Sonderbonbon bei R 6-Gewinnspanne versprochen.

Ob so verlorene Marktanteile zurückgewonnen werden, ist indes fraglich. Die Folgen dieser "exzessiven Spannenpolitik" (Norbert Doms, Sprecher der Bremer Martin Brinkmann AG) haben zunächst einmal die Mitarbeiter der Bremer Firma zu tragen. Am Dienstag dieser Woche teilte ihnen Firmenchef Henry Giudice mit, daß die gesamte "Lord Extra"-Produktion, Spitzenmarke von Brinkmann und Hauptkonkurrent der R 6, schnellstmöglich nach Berlin verlagert wird. Wenn sie nicht übersiedeln wollen, verlieren 350 Brinkmann-Werker ihren Job.

Nur drei äußerst dürftige "Belege" sind in der Klageschrift der europäischen Videoproduzenten Philips und Grundig an die Kommission der Europäischen Gemeinschaft für die Behauptung zu finden, daß die angebliche japanische Dumping-Offensive bei Videorecordern in Europa auf einer "nationalen Strategie" der Japaner beruhe, um das Phiups/Grundig-System Video 2000 vom Markt zu verdrängen.

Die 32seitige Klageschrift nennt als "Beweis" zunächst die FAZ. Der deutsche Statthalter des größten japanischen Videoproduzenten Matsushita, Seinosuke Kuraku, war darin im November mit der Erklärung zitiert, daß "die japanische Jahresproduktion genau mit dem Absatzprogramm für 1982 übereinstimmt". Kuraku setzte sich damit aber nur gegen den Vorwurf europäischer Konkurrenten zur Wehr, die Japaner hätten den Markt überschätzt und viel zu viel Geräte produziert.

Zweitens werden aus dem Brief eines anonymen Präsidenten eines anonymen japanischen Elektrokonzerns an einen anonymen europäischen Industriellen Satzteile wiedergegeben mit dem nichtssagenden Tenor: Die japanische Industrie möchte kein Anti-Dumping-Verfahren – wen wundert’s. Drittens schließlich bezieht sich die Klageschrift auf ein Informationsblättchen der deutschen Fernsehhändler namens markt intern, um eine angebliche Äußerung des japanischen Außenministers ("kein Fall von absichtlichem Dumping") zu belegen.

Wenn Philips und Grundig als Beweis für die aufgestellte Behauptung nicht mehr zu bieten haben, können sich die Japaner schon jetzt ins Fäustchen lachen.