Mit Umbesetzungen in der Innenpolitik und Abrüstungsofferten in der Außenpolitik hat Moskaus neuer Parteichef Andropow ein atemberaubendes Tempo angeschlagen. Er scheint relativ fest im Sattel zu sitzen. Aber noch hat Breschnjews alter Clan um Andropows Gegenspieler Konstantin Tschernjenko nicht aufgegeben.

Als ein Instrument Tschernjenkos dienen offensichtlich die Memoiren Breschnjews. Ihre Fortsetzung ist jetzt in der prominenten Schriftsteller-Zeitschrift Nowij Mir erschienen. Der nach dem Tode Breschnjews redigierte Memoiren-Text lobt Tschernjenko ausführlicher als Andropow. Außerdem enthüllt er zum erstenmal, daß Breschnjew 1960 auf dem Fluge nach Afrika von "Kolonialisten" beschossen wurde. Dieser Vorfall lehre, daß Frieden nicht vor Provokationen schütze, so heißt es in den Memoiren. Stimmungsmache gegen Andropows aktive Westpolitik? Die ZEIT dokumentiert die wichtigsten Passagen.

Über den Luftzwischenfall schreibt Breschnjew: "Ich habe Bugajew (den späteren, langjährigen Luftfahrtminister) mehrfach am Steuer der modernsten Flugzeuge erlebt, einmal erfuhr ich sogar direkt seine schnelle Reaktionsfähigkeit, seinen seltenen Mut und seine Piloten-Kunst. Das war vor vielen Jahren. Wir flogen zu einem offiziellen Besuch nach Guinea und Ghana. Ich war damals Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR. Der Flug verlief planmäßig, der Himmel war klar. Doch plötzlich wurde unsere Maschine von Jagdflugzeugen der Kolonialisten angegriffen. Den Kolonialisten war offensichtlich nicht gelegen am Besuch der Delegation in den jungen Ländern Afrikas.

Ich konnte gut sehen, wie sich die Jagdflugzeuge aufs Ziel einstellten, von oben herunterstießen, zum Angriff übergingen und zu schießen begannen. Ein seltsames Gefühl