Um die 1350 Schüler der rund 250 Gymnasien und Berufsschulen in Rheinland-Pfalz sollen vom kommenden Schuljahr an nach einem neuen Modell gefördert werden. Zwei Millionen Mark stellt der Mainzer Kultusminister Georg Gölter zur Verfügung, um "besonders begabte" Schüler der elften Klassen aus "sozial schwachen" Familien zu unterstützen (mehr als 25 000 Mark im Jahr dürfen die Eltern nicht verdienen). Nicht nur der Notendurchschnitt soll zählen, sondern die "Gesamtpersönlichkeit", die sich in "Leistungsbereitschaft" und "Leistungsfähigkeit" des Schülers ausdrückt, wie sie die Lehrer feststellen: schlechte Aussichten für Klassenflegel und intelligente Faulpelze, wenn sie auf die staatliche Hilfe angewiesen sind. Rheinland-Pfalz, dessen Bürger am 6. März auch die Landtagsabgeordneten neu wählen, macht den Vorreiter in der Erfüllung des christdemokratischen Versprechens, an die Stelle der gestrichenen Schülerförderung aus Bonn Begabtenstipendien aus den Etats der Länder zu setzen. Vom übernächsten Schuljahr an sollen Schüler der zwölften und dreizehnten Klassen gefördert werden; mehr als 150 Mark im Monat hat allerdings kein Schüler zu erwarten.

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Hochschulen müssen heute ihre Existenz – und vor allem die Kosten, die sie verursachen – rechtfertigen, lehrerbildende Hochschulen ganz besonders und Pädagogische Hochschulen in Baden-Württemberg allemal. Die PH Schwäbisch Gmünd wird das von der Regierung Späth verordnete Ende ihrer Schwestern in Heidelberg und Reutlingen überleben, fühlt sich aber auch genötigt, ihren besonderen Wert für das kulturelle Klima in der schwäbischen Provinz zu begründen. Sie hat ein gutes Argument: 130 Studenten über dem Pensionsalter im Rentenalter, die im diesem Semester nicht nur einfach Gasthörer sein dürfen, sondern im Rahmen des "Projekts Seniorenhochschule" eigens auf sie zugeschnittene Vorlesungen in Sprachwissenschaft und Philosophie, Kunstgeschichte und Naturwissenschaften hören. Den jüngeren Semestern stehen diese Veranstaltungen als Studium generale offen, aber auch als Chance, genau wie die Alten aus dem Getto der eigenen Altersgruppe herauszukommen. Peter Pedell