Der Aufmarsch zur Bundestags-Neuwahl ist vollzogen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben die Parteien ihre Wahlkreiskandidaten nominiert und ihre Landeslisten komponiert. Handfeste Überraschungen sind gering. Zu kurz war die Vorbereitungszeit, als daß neue Bewerber alte Platzhirsche in größerer Zahl hätten verdrängen können.

Daß die Prominenz jeglicher politischen Couleur wiederkehrt, ist ohnehin eine Binsenweisheit – es sei denn, sie hätte von sich aus verzichtet, wie etwa der langgediente Sozialdemokrat Georg Leber. Nicht minder trifft das für die Inhaber sicherer Wahlkreise und ebenso sicherer Landeslistenplätze zu, es sei denn, daß es zu wahren Erdrutschen kommt.

Ungewißheit entsteht im Grunde nur dann, wenn eine Direktkandidatur fehlschlägt und der Listenplatz keine absolute Sicherheit mehr verspricht. Doch auch diesmal sind Wahlkreis- und Listenbewerbungen so verknüpft, daß Überraschungen rar sein werden – es sei denn, die Wähler sorgten dafür.

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Viel Aufhebens haben die Christlichen Demokraten zum Beispiel davon gemacht, daß bei den Sozialdemokraten angeblich gestandene, das heißt in ihrem Verständnis „rechte“ Leute, reihenweise zugunsten „linker“ Bewerber gekippt worden seien. Wohl wahr: Annemarie Renger hat ihre Kandidatur in einem Neusser Wahlkreis gegen einen Anwärter knapp verloren, der mit der Politik Helmut Schmidts nicht viel im Sinn hatte. Aber abgesehen davon, daß in diesem Wahlkreis die CDU ohnehin die Oberhand hat, befindet sich Frau Renger nach einigem Hängen und Würgen nun wieder auf einem sicheren Platz auf der nordrhein-westfälischen Landesliste der SPD, obwohl es sich die Parteien zur Regel gemacht haben, nur solchen Bewerbern sichere Plätze zu geben, die in einem Wahlkreis auch „vor Ort“ arbeiten.

Oder Egon Franke in Hannover: Zwar hatte er sich bei der Direktkandidatur zweier Mitbewerber zu erwehren und rutschte auf der Landesliste etwas ab. Aber auch auf diesem hinteren Platz und erst recht bei den Mehrheitsverhältnissen in seinem Wahlkreis ist ihm ein Mandat gewiß.

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