Hamburg

Fast ist es soweit. Lediglich ein entsprechender Senatsbeschluß muß noch gefaßt werden, und dann ist Hamburg auch offiziell um eine einzigartige Einrichtung reicher – ein Museum der Arbeit, gelegen im Arbeiter- und Sozialdemokratenrevier Barmbek.

Eingerichtet werden soll es in einem Gebäude, das ebenso trostlos wie typisch ist. Dabei handelt es sich um den weitgehend unversehrten Teil einer 1870/71 begonnenen Fabrikanlage, die zunächst von der New-York Hamburger Gummiwaaren Compagnie und zuletzt von einer Möbelfirma genutzt wurde. 1870 lag das Gelände noch innerhalb der hamburgischen Freihafengrenzen, war mithin Zollauslandsgebiet und diente der Verarbeitung von Rohkautschuk zu Hartgummiteilen für die Elektroindustrie. Weitere Merkmale des industriegeschichtlichen Schmuckstücks: Kanallage, gußeiserne Fenstereinfassungen, hohe Schornsteine sowie ein alter Fabrikhof, der früher Mittelpunkt einer Reihe von Produktionsstätten war. Das allerdings ist seit dem Zweiten Weltkrieg vorbei. Ein Teil des Anwesens ist seither zerstört, ein anderer längst durch unansehnliche Verwaltungsbauten ersetzt worden und ein weiterer Teil schließlich von einer Handvoll kleinerer Betriebe belegt.

Vergleichsweise gut erhalten ist hingegen jenes Gebäude, in dem das Museum untergebracht werden wird. Das ist ein 1906/07 errichteter Rotklinkerbau mit immerhin drei Geschossen. und rund 2700 Quadratmeter Nutzfläche. Fürs erste also Platz genug für all die Drehbänke und Fräsen, Druckmaschinen, Schiffsschrauben und Niethammer, die für den Industriestandort Hamburg so bezeichnend sind, daß sie hier gesammelt werden sollen. Einiges davon konnte denn auch schon vor der Schrottpresse gerettet werden und harrt nun, in der Maurienstraße 19-21, seiner endgültigen Bestimmung: ausgestellt, erklärt und nicht zuletzt benutzt zu werden.

Denn das Museum der Arbeit soll nicht nur ein Sammelplatz der arbeitsalltäglichen Erinnerungen, sondern auch ein Ort des Handelns werden. Geplant sind unter anderem ein Foto- und ein Filmarchiv, Restauratoren- und Demonstrationswerkstätten, der Nachbau eines Restaurants aus der Gründerzeit oder auch aus den zwanziger Jahren, Einzelarbeitsplätze sowie Seminarräume, in denen alte Menschen ihre Kenntnisse auffrischen und Arbeitnehmer ihren Bildungsurlaub absolvieren können. Hinzu kommen könnten außerdem Bibliotheken, eine kleine Bühne, ein Archiv der Arbeiterbewegung und Räume für Versammlungen. So oder so sind der Planungsphantasie vorerst keine Grenzen gesetzt, zumal ein derartiges Museum letztlich, sagen sich die Initiatoren, sowieso "nie fertig sein" könne.

Diesen Gedankengang wiederum finden augenscheinlich auch Kulturmuffel bestechend. Der 1980 gegründete Verein "Museum der Arbeit e. V." jedenfalls zählt mittlerweile rund dreihundert Mitglieder und ungezählte Sympathisanten im DGB (auf dessen Vorschlag nicht weniger als vier der zehn Vereinsvorständler gewählt werden), in der SPD-Landesorganisation, in der Kulturbehörde und erst recht im zuständigen Bezirksamt Hamburg-Nord.

Dessen Vertreter wünschen sich zusätzlich einen städtebaulichen Wettbewerb zur Neugestaltung des gesamten Geländes, mit Wohnungen am Kanal, einem Kommunikationszentrum, einer richtigen Marktschänke, einem Marktplatz und so weiter und so fort...