Norbert Blüm, Bundesarbeitsminister und enfant terrible der CDU in Personalunion, bezieht derzeit Prügel von allen Seiten – was ihm aber recht gut zu bekommen scheint. Nachdem die Gewerkschaften einige Wochen lang mit Wonne auf ihn eingedroschen haben, weil er es gewagt hatte, ihnen eine Lohnpause vorzuschlagen, benutzen ihn nun die Arbeitgeber als Watschenmann.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) rüffelte Norbert Blüm wegen seines Aufrufs an die Unternehmer, endlich mal wieder Mut zum Risiko zu zeigen. "Appelle, wir sollten endlich die Ärmel aufkrempeln in dem Sinne: Nun investiert mal schön, wie sie Herr Blüm kürzlich belehrend an die Unternehmer richtete, sind unangebracht und unberechtigt", rief Rolf Rodenstock bei einer Rede vor der Kaufmannschaft in Münster in den Saal.

Der BDI-Präsident hat offenbar vergessen, daß er vor nicht allzu langer Zeit selber derartig unangebrachte und unberechtigte Appelle zu Papier gebracht hat. "Wo immer die Voraussetzungen nur einigermaßen dafür vorliegen, sollten jetzt Investitionsaufträge erteilt werden, um damit gegen einen sich selbst verstärkenden weiteren wirtschaftlichen Abschwung anzugehen", schrieb er vor wenigen Wochen in einem Brief an seine Unternehmerkollegen. Nichts anderes hat Blüm gesagt. mj