Von Roland Vaubel

Zwei Zielen räumt die Reagansche Wirtschaftspolitik absolute Priorität ein: der Rückkehr zur Preisstabilität und dem langfristigen Abbau der Staatsquote. Noch 1981 lag die amerikanische Inflationsrate über zehn Prozent. Die Notenbank hat deshalb die Zuwachsrate der Geldmenge von 1978 bis 1981 Jahr für Jahr reduziert, zuletzt von 7,3 Prozent (1980) auf fünf Prozent (1981). Die Inflationsrate ist inzwischen auf rund sechs Prozent zurückgegangen.

Eine solche Geldmengenbremse bewirkt in der Regel einen vorübergehenden Anstieg des Realzinses (Zinsen minus erwartete Inflationsrate) und einen vorübergehenden Rückgang von Produktionswachstum und Beschäftigung. Genau dies ist geschehen, und zwar nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Ländern, in denen die Notenbanken das Wachstum der Geldmenge gedrosselt haben. Der Grund dafür ist die verzögerte Anpassung der Preise und Löhne. Wenn sich die Tarifpartner von Anfang an stabilisierungskonform verhalten, ist eine "Stabilisierungskrise" vermeidbar.

In der Bundesrepublik haben einige Politiker, insbesondere Helmut Schmidt, der amerikanischen Regierung wegen der hohen Zinsen Deflationsexport vorgeworfen und sie für die gegenwärtige weltweite Rezession verantwortlich gemacht. Dieser Vorwurf setzt voraus, daß die amerikanischen Zinsen nicht nur wegen ausgeprägter Inflationserwartungen, sondern "real" noch waren und sind. Die Stärke des Dollar am Devisenmarkt bewies, daß der Dollar tatsächlich nicht das Opfer verstärkter Inflationserwartungen war. Die Dollarstärke bewies auch, daß die hohen amerikanischen Haushaltsdefizite nicht die Hauptursache für die hohen Zinsen sein konnten. Denn ein haushaltsbedingter Anstieg des Zinses würde ja die Nachfrage nach amerikanischem Geld dämpfen und den Außenwert des Dollar drücken.

Der wichtigste Grund für die hohen amerikanischen Realzinsen ist die restriktive, stabilitätsorientierte Geldpolitik. Bedenkt man, daß nicht nur die Zuwachsrate des amerikanischen Geldangebots deutlich zurückgegangen ist, sondern daß auch das wiedergewonnene Vertrauen in den Dollar die ausländische Nachfrage von Ausländern nach Dollar erhöht hat, so wird die Plausibilität dieser monetären Erklärung noch verstärkt.

Daraus folgt zweierlei: Erstens wird deutlich, daß die amerikanische Hochzinsphase bald vorbei sein wird, wenn die Geldpolitik nicht wieder dauerhaft auf Expansionskurs geht. Denn in dem Maße, in dem die Inflationsrate wegen der lange Zeit restriktiven Geldpolitik sinkt, werden auch Realzins und Inflationserwartungen abnehmen. Zweitens entpuppt sich die deutsche Kritik an der amerikanischen Hochzinspolitik letztlich als Kritik am Bemühen der amerikanischen Notenbank, in den Vereinigten Staaten wieder Preisstabilität herzustellen.

Wie steht es mit dem anderen Hauptziel der amerikanischen Wirtschaftspolitik, der Kürzung der Staatsausgaben? Die amerikanische Staatsquote Staatsausgaben als Prozent des Bruttosozialprodukts) soll von knapp einem Drittel auf gut dreißig Prozent gesenkt werden. Zum Vergleich: In der Kennedy-Ära lag sie bei 27 Prozent, in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre gar bei dreizehn Prozent. In der Bundesrepublik ist die Staatsquote in dreizehn Jahren von 38 auf über fünfzig Prozent gestiegen.