Wie Apotheker und Ärzte die Krankenkassen betrügen

Von Wolfgang Hoffmann

Ein Bochumer Apotheker hatte oft Grund zur Freude. Sein Gewinn lag meist deutlich über dem seiner Konkurrenten. Inzwischen freilich sanken seine Einnahmen auf Null. Schlimmer noch: Schon in den nächsten Tagen muß der 34jährige mit einer Anklage rechnen: Der Apotheker soll Rezepte mit den Krankenkassen abgerechnet haben, für die er nie Arzneien an Patienten geliefert hat. Auf diese Art soll er sich mehrere hunderttausend Mark ergaunert haben.

Für den Bochumer Oberstaatsanwalt Karl Lucks ist der Fall ziemlich klar. Doch für ihn gibt es neben dem angeklagten Apotheker noch einen weiteren Schuldigen: "Das System der gesetzlichen Krankenkassen ermöglicht jeden Mißbrauch. Der Krankenschein gibt allen die Möglichkeit, Geld zu schöpfen."

Ohne den Krankenschein wäre in der Tat wohl kaum denkbar, was derzeit die Justiz in Bochum wie in anderen Teilen der Bundesrepublik nachhaltig beschäftigt. Staatsanwälte ermitteln in Stuttgart und Donauwörth. Sie suchen Belastendes in Kassel und Göttingen, wurden fündig in Hamburg wie in Hannover,, recherchieren in Koblenz, in Konstanz, in Esslingen, Nürtingen, Nördlingen und Gerlingen. Und sicher ist auch: In den nächsten Wochen und Monaten werden immer neue Fälle aufgedeckt werden, in denen es um viel Geld geht. Oberstaatsanwalt Johannes Hirsch auf die Frage nach der Zahl der Fälle in Bochum: "Da muß ich mich erst sachkundig machen, denn es kommen beinahe täglich neue hinzu. Es ist wie bei einem Flächenbrand."

Die in diesen Fällen gesuchten Täter tragen zwar stets einen schneeweißen Kittel, doch sie gehören zu den schwarzen Schafen ihrer Zunft. Es sind Ärzte und deren Helferinnen, Apotheker und Medizintechniker. Mitunter freilich spielen auch Versicherte bei diesen Betrügereien mit. Sie alle haben sich bereichert und die soziale Krankenversicherung geprellt. Die Schlüsselrolle spielt dabei in allen Fällen ein Arzt, manchmal unwissentlich, meist wissentlich.

Er ist es, der den Patienten auf Krankenschein analysiert, diagnostiziert und schließlich auch therapiert. Die Rechnung zahlt – am Patienten vorbei – die Kasse. So wie der Patient oft nicht weiß, was der Arzt wirklich macht, so wenig weiß er, was der Arzt dafür berechnet oder welchen Weg die Rechnung nimmt. Die Methoden, die Kassen zu betrügen, sind dabei recht vielfaltig.