Nach Kurskorrekturen: neuer Wille zur Macht

Von Gunter Hofmann

Bonn, im Januar

Will die SPD wirklich die Wahlen gewinnen und überhaupt schon wieder regieren? Hans-Jochen Vogel beteuert demonstrativ, er setze auf Sieg; nichts anderes bleibt ihm übrig. Und Willy Brandt wehrt solche Fragen vergnügt ab. Was soll er als Parteivorsitzender dazu schon sagen?

Was wäre denn für die SPD ein "Sieg"? Wenn sie – der unwahrscheinlichste aller Fälle – am 6. März mit der Nase knapp vor der CDU/CSU läge, während FDP und Grüne es nicht schafften? Oder auch, wenn die Union vorne läge, die SPD aber gemeinsam mit den Grünen eine knappe, rechnerische Mehrheit erzielte? Will die Sozialdemokratie dann überhaupt den Kanzler stellen? Will Vogel das? Und würde es umgekehrt als eine Niederlage empfunden, wenn die SPD aus dem Rennen als starker Zweiter hervorginge, vielleicht mit 47 oder 48 Prozent, wie Brandt spekuliert?

Vorsichtshalber scheint die sozialdemokratische Parteiführung zur Zeit einfach nur nach vorn zu blicken, nach der Devise: über Details reden wir später. Aber es würden eben nicht alle einen Sieg darin sehen, wenn die SPD am Ende nur mit den Grünen regieren könnte. Dahinter verbirgt sich mehr als die Sorge, in einem solchen Falle das Schlagwort von der angeblichen Unregierbarkeit aufgehalst zu bekommen. Vielmehr zeigen sich auch manche skeptisch, die sich weigern, die Grünen als ein Menetekel für die Politik zu betrachten.

Gleichwohl ist der Reiz, von den Grünen toleriert zu werden, durchaus begrenzt. Willy Brandt wie Hans-Jochen Vogel sehen das so: Die Union gilt zwar als der Hauptgegner, aber an die Grünen soll auch keine Stimme verschenkt werden. Mit Petra Kelly fünf Monate über den Austritt aus der Nato zu "verhandeln", würde die SPD sprengen, argumentiert ein Sozialdemokrat. Für diesen Fall, so scheint es eher, wappnet sich die SPD, in entscheidenden Fragen im Zweifel einen CDU-Kanzler zu tolerieren. Sie wäre deshalb nicht machtlos. So scheint das auch Vogel zu sehen.