Reisen erweitert den Horizont und beschleunigt die Darmtätigkeit. Trotz aller medizinischen Fortschritte ist gegen die Reise-Diarrhö immer noch kein Kraut gewachsen. Mit einem Impfstoff möchte jetzt der amerikanische Arzt Sherwood Gorbach den Durchfall stoppen.

Über die Ursache der je nach Temperament und Landstrich "Montezumas Rache", "Tourista" "Allahs Geißel" oder "Hongkong-Hund" genannten Unpäßlichkeit sind sich die Mediziner zu etwa 50 Prozent einig. Denn ungefähr bei der Hälfte der untersuchten Kranken werden enterotoxinbildende (giftige) "Escherichia-coli" Stämme entdeckt. Gewöhnliche Coli-Bakterien sind im Darm zu Hause und dort sogar nützlich; wenn sich jedoch durch ungewohnte Umgebung, anderes Klima und fremdartige Speisen und Getränke die giftbildenden E.-coli-Keime in der Darmflora rasch vermehren, ist es bald soweit.

Bei 25 bis 30 Prozent aller Reisedurchfallkrankheiten bleibt die Ursache jedoch unklar, wie Gorbach kürzlich in The New England Journal of Medicine berichtete. Und in 10 bis 20 Prozent der Fälle sind gleich mehrere Bakterienstämme am Werk. Welche – das ist von Land zu Land verschieden.

Auf der Liste der besonders "durchfälligen" Länder finden sich Spanien und Griechenland, Marocko und Kenia, Iran und Ägypten, Pakistan, Indien, Bangladesch und Thailand, El Salvador, Peru und Mexiko. Beispielsweise erwischt die Reise-Diarrhö jährlich allein eine Million der drei Millionen US-Touristen in Mexiko, und 30 Prozent von ihnen so gründlich, daß sie ins Bett müssen.

Gewiß, durch ein bißchen Vorsicht mag der Reisende das Risiko etwas verringern (er meidet ungewaschenes Obst und Gemüse, kocht Wasser vor Gebrauch ab etc.), aber eine echte Prophylaxe ist das natürlich nicht. Können Arzneimittel die bieten? Mitglieder des amerikanischen Friedenscorps, die vor der Reise die Substanz "Doxycyclin" nahmen, schützten sich zwar in hohem Maße gegen Durchfall; aber Doxycyclin kann Magenverstimmungen verursachen und obendrein die Haut überaus lichtempfindlich machen – eine gerade bei Reisen in Sonnenländer vollkommen unpassende Nebenwirkung.

Wer das in Mexiko erprobte "Trimethoprim/Sulfamethoxazol" (TMP/SMX) in den für die Prophylaxe notwendigen Mengen schluckt, riskiert Hautausschlag und Anämie; und wer an jedem Urlaubstag viermal 57 Gramm "Bismut-Subsalicylat" nimmt, kann zwar das Durchfallrisiko um knapp 40 Prozent senken, erhöht aber gleichzeitig das Gewicht seines Reisegepäcks um mehrere Kilo.

Den Ausweg aus dieser medizinischen Sackgasse sieht Gorbach in einem Impfstoff gegen die giftbildenden E.-coli-Stämme, der nicht nur die gequälten Touristen, sondern vor allem auch die Säuglinge der betreffenden Länder schützen soll. Denn ihr Immunsystem ist den giftigen Keimen oft noch weniger gewachsen als das der Fremden. Die Entwicklung dieses Impfstoffes krankt im Moment noch daran, daß es bisher nicht gelungen ist, beide in den E.-coli-Bakterien produzierten Gifte zu neutralisieren.