Zu viele große deutsche Schiffbau-Unternehmen werden künstlich am Leben erhalten

Von Heinz Blüthmann

Die Sitten verwildern", spürt Peter W. Ilchmann. Und er prophezeit: "Der Kampf um Aufträge wird brutal." Heitmann, Chef der mittelgroßen Rendsburger Schiffbaufirma Nobiskrug, will dennoch nicht die Segel streichen, sondern kräftig mitmischen: "Man muß schneller sein als die anderen – und man muß Freunde haben."

"Das tiefste Auftragsloch, vor dem wir je standen", hat Rainer Wollmann, Boß der Thyssen Nordseewerke und damit einer der fünf großen deutschen Werftbetriebe, ausgemacht. Er weiß: "Die nächsten zwei, drei Jahre werden härter als alles, was wir bisher erlebt haben."

"So eine Krise ist noch nicht dagewesen", konstatiert auch Norbert Henke, erst seit wenigen Monaten an der Spitze der verlustreichen Großwerft Bremer Vulkan, nachdem er im Streit beim Branchenführer Howaldt in Kiel ausgeschieden war. Henke: "Dieses Jahr wird schon schwer, aber 1984 wird das bitterste Jahr seit dem Krieg."

Der Pessimismus der drei Werftherren hat handfeste Gründe: Statt des noch vor kurzer Zeit allgemein prognostizierten Auftragbooms im Schiffbau kommt nun die große Flaute. Der Welthandel stockt. Schiffe fast aller Typen sind im Überfluß vorhanden – und drücken die Frachtraten. Kein Grund für Reeder, neu zu bestellen.

Am schlimmsten sieht es bei den Tankern aus: Rund die Hälfte der weltweiten Seetransporte bestand aus Öl – bis 1977. Seit die Preis- und Energiesparwelle läuft, ist dieses Volumen um dreißig Prozent geschrumpft. Die Folge: Tanker mit einer Tragfähigkeit von insgesamt achtzig Millionen Tonnen dümpeln beschäftigungslos vor Anker. Früher sicherten die schwimmenden Ölfässer jedem zweiten deutschen Werftarbeiter Lohn und Brot – heute keinem mehr.