Nach ihrer Rückkehr von den Falkland-Inseln hat Frau Thatcher die Devisenmärkte beruhigt

Frau Thatchers Propagandisten können der Versuchung schwer widerstehen, zwischen ihrer Reise zu den Falkland-Inseln und dem Wohlergehen der britischen Währung eine Verbindung herzustellen. Gerade hatte die Premierministerin ihre geheim gehaltene Wallfahrt angetreten, spielte der Devisenmarkt verrückt. Gelddisponenten wurden nervös, stiegen aus dem Pfund aus. Kaum war die Eiserne Lady wieder zurück in Downing Street, faßten auch die Finanzmärkte wieder Mut

Diese Version mag wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben, aber sie paßt zu dem Erscheinungsbild von Frau Thatcher, wie es sich insbesondere nach "ihrem" erfolgreichen Falkland-Feldzug entwickelt hat. Sie dominiert die Regierung, mindert das Gewicht ihrer Minister, betreibt ihre Außenpolitik, verfolgt ihre Wirtschaftspolitik, ernennt ihren Zentralbank-Gouverneur.

Die Stärkung ihrer persönlichen Position, unterstützt von den jüngsten Meinungsumfragen, und die Tendenz zu einem präsidialen Regierungsstil fördern die populäre Vorstellung, daß auch das Geschick der Währung allein in ihrer Hand liegt. Das Land wartete gespannt auf die Äußerungen der heimkehrenden Chefin. Frau Thatcher zögerte denn auch nicht zu betonen, wie gesund ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik sei und daß der wankelmütige Markt keine Veranlassung habe, den "Unfug" der Opposition ernst zu nehmen.

Die Gründe und Hintergründe des Geschehens am Devisenmarkt sind komplizierter, als mit der Abwesenheit der Zuchtmeisterin erklärt werden kann. Im wesentlichen ist die Abwertung die überfällige Korrektur einer Position, die auf die Dauer nicht gehalten werden konnte.

Seit dem Höchststand vor zwei Jahren ist das Pfund unter Schwankungen gefallen. Im November kam es dann zu einem größeren Rutsch. Die Geldpolitik war etwas leichter geworden. Die Labour-Opposition produzierte ihre Vorschläge, die eine "geplante Abwertung über zwei Jahre" – welch naive Vorstellung! – sowie die Wiedereinführung von Devisenkontrollen vorsehen. Außerdem will Labour die Europäische Gemeinschaft verlassen. Der Devisenmarkt spekulierte auf schnelle Neuwahlen, obwohl Frau Thatcher theoretisch bis Mai 1984 Zeit hat, und reagierte entsprechend. Innerhalb von Jahresfrist ist das Pfund gegenüber, allen Währungen um elf Prozent gefallen, stärker gegenüber Dollar, Mark und Yen.

Es ist keine Sterlingkrise alten Stils. Inflation, Geldpolitik, Staatsdefizit sind unter besserer Kontrolle. Die Abwertung ist insofern sogar willkommen, als sie die Exportchancen erhöht. Nur; Sie darf nicht zu weit gehen. Sonst erhält die Inflation zu starke Nahrung und die Zinsen, die seit November um zwei Prozent erhöht wurden, würden steigen. Und das könnte für die Regierung in einem Wahljahr verhängnisvoll sein.

Wilfried Kratz