Schwierige Identifikation

Für Wahlkämpfer bemißt sich die außenpolitische Kompetenz auch nach der Anzahl ihrer Begegnungen mit den Großen dieser Welt. So kann es nicht überraschen, daß das Sozialdemokrat-Magazin Hans-Jochen Vogel in seiner Januar-Ausgabe in vielen Photos mit ausländischen Politikern präsentiert – wäre da nicht die Bildzeile, die von seiner Begegnung mit Menachem Begin auf dem SPD-Parteitag 1979 berichtet. Der Rechtsausleger Begin, der Mann, der Deutschland nie besuchen will und den sozialdemokratischen Kanzler Helmut Schmidt so schmähte, zu Gast bei der SPD? Heimlich vielleicht, um mit Willy Brandt – der ist auch auf dem Bild – und Vogel die Ablösung Schmidts zu bereden? Natürlich nicht: Das Photo zeigt nicht den israelischen Ministerpräsidenten im Gespräch mit den deutschen Sozialdemokraten, sondern den österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky.

Um Popularität bemüht

Die Demoskopen haben Präsident Reagan nichts Gutes zu berichten. Zur Halbzeit seiner Amtszeit loben nur 41 Prozent seine Politik, zehn Prozent weniger, als sein Vorgänger Jimmy Carter vor genau vier Jahren verbuchen konnte. Trotzdem scheint Reagan 1984 ein zweites Mal kandidieren zu wollen. Das zeigen seine Bemühungen um die Gruppen, die besonders wenig von ihm halten: Das sind einmal die Frauen, von denen nur 36 Prozent seine Amtsführung loben. Prompt berief Reagan in diesem Monat zwei Frauen in sein Kabinett und betraute sie mit den Ressorts Verkehr und Gesundheit. Schwerer tut er sich mit der schwarzen Minderheit, aus deren Reihen nur neun Prozent auf seiner Seite stehen. Reagan gedachte letzten Samstag in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache Martin Luther Kings; der 1968 ermordete schwarze Bürgerrechtler wäre an diesem Tag 54 Jahre alt geworden.

Tote Seelen

Die Todesstrafe droht nach Berichten der Moskauer Tageszeitung Sozialistitschekaja Industrija einem Herrn Iwanow für ein Verbrechen, das in Rußland eine ältere Tradition hat als das Sowjetsystem: die Bereicherung durch "tote Seelen". An der Spitze von 14 Mitstreitern hatte sich Iwanow zum Direktor einer Textilmaschinenfabrik in Podolsky bei Moskau aufgeschwungen; die Firma erhielt von den zuständigen Stellen alle ihr auf dem Papier zustehenden Lieferungen und Gelder. Iwanow und Kollegen führten korrekt die Bücher der Fabrik und den Schriftwechsel mit den zuständigen Ämtern – nur die Fabrik existierte nicht, die 515 Arbeiter gab es nicht, und produziert wurde natürlich auch nichts. Drei Jahre funktionierte der einträgliche Schwindel; Iwanow hielt sich schließlich vier Autos, drei Häuser, zwei Leibwächter und, der Zeitung zufolge, eine Frau "mit Schmuck behangen wie ein Weihnachtsbaum".

439 124mal Le Monde

Die verkaufte Auflage ist bei Le Monde, wie bei jeder Zeitung, niedriger als die gedruckte. Freilich glücklicherweise nicht so niedrig, wie der Druckfehlerteufel es wollte, als er in der vorigen Ausgabe der ZEIT schlicht eine 3 und damit freilich eine ganze Zehnerpotenz fraß. Die Auflage beträgt also nicht 49 124, sondern 439 124.