Meldungen, Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm wolle die Selbstbeteiligung beim Krankenhausaufenthalt – fünf Mark pro Tag für die ersten vierzehn Tage – nach den Bundestagswahlen wieder abschaffen, ist falsch. Blüm denkt vorerst nicht daran, die vielfach für unsinnig gehaltene Selbstbeteiligung zurückzunehmen. Er will sich vielmehr an eine Entschließung des Bundestages halten. Sie sieht vor, bis 1984 alle Erfahrungen mit der Neuregelung zu sammeln, um danach auf Grund der gewonnenen Erkenntnisse neu zu entscheiden.

Mit Christian Schwarz-Schilling hat die deutsche Industrie offenkundig nun einen Postminister, der sich nicht scheut, im Ausland für die deutsche Industrie und deren Produkte zu werben. Während einer Reise durch Saudi-Arabien und Oman bekannte sich Schwarz-Schilling "zur Verantwortung der Post dort, wo die Industrie sich vor Probleme gestellt sieht". Einschränkend meinte der Minister jedoch, dies "ist keine Bringschuld der Post".

Mit einem deutlichen Seitenhieb auf die sogenannten Amtsbaufirmen – vornehmlich Siemens die sich lange Jahre auf den fernmeldetechnischen Bedarf der Bundespost verlassen und dabei versäumt haben, Produkte zu entwickeln, die von der deutschen Post nicht gebraucht werden, meinte Schwarz-Schilling: "Es gibt genügend Nischen für die deutsche Fernmeldeindustrie, wenn sie nur bereit ist, auch Dinge herzustellen, die in Deutschland nicht nachgefragt werden."

In Saudi-Arabien informierte sich der Postminister über die Arbeit der Detecon (Deutsche Telepost Consulting GmbH), einer Beteiligungsgesellschaft der Bundespost, deren Ziel der-Auslandstransfer von Know-how der Bundespost ist. Saudi-Arabien ist derzeit das Land mit der größten Detecon-Aktivität. 85 Prozent des Beratungsumsatzes (1982 rund 80 Millionen Mark) macht das Unternehmen in dem Ölland. Wie sehr sich Beratung und Know-how-Transfer bezahlt machen können, läßt sich an der Relation zwischen Beratung und späterem Projekt ablesen. Kommt es nach einer Beratung nämlich zu einem Projekt im Bereich der Telekommunikation, dann werden dadurch Investitionen ausgelöst, die etwa bei dem Zwanzigfachen des ursprünglichen Beratungshonorars liegen. Für Schwarz-Schilling war das Grund genug, die Deticon-Aktivitäten vor Ort zu besichtigen.

Allerdings war es offenbar auch sonst höchste Zeit, daß sich endlich ein deutscher Postminister in Riad blicken ließ. Saudi-König Fahd Ibn Abdul Aziz Al Saud jedenfalls empfing Christian Schwarz-Schilling mit den unzweideutigen Worten: "Hervorragend, daß Sie da sind, leider etwas spät." Wie spät, läßt sich daran ablesen, daß die deutsche Fernmeldeindustrie auf dem saudischen Telephonmarkt kaum etwas zu melden hat.

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Finanzbeamte in der gesamten Bundesrepublik müssen derzeit zu den aufmerksamsten Lesern der allmontaglich erscheinenden neuen Flick-Enthüllungen gehören, zumindest dann, wenn sie ihren Job, das Eintreiben von Steuergeldern, ernst genug nehmen. Bei der Affäre um Flick, den Spenden- und Schmiergeldern, die Politiker für wohlwollende Steuerentscheidungen zugunsten von Flick entgegengenommen haben könnten, ist es nämlich keineswegs mit den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsannahme getan. Wo immer ein Politiker Geld von Flick nahm, handelt es sich zunächst um ein Einkommen, für das Steuern gezahlt werden müssen.