Alexander Schubart wirkt notorisch maßlos. Das Urteil des hessischen Staatsgerichtshofs, das Anfang 1982 ein Volksbegehren gegen den Bau der Startbahn West verwarf, denunzierte er als "Willkür" in einem "Geheimverfahren"; damit, so drohte er damals, sei die Chance zu einer "friedlichen und demokratischen Konfliktlösung aus der Hand geschlagen". Er brachte das böse Wort vom "ökologischen Bürgerkrieg" auf, in den das Land treibe. Als ihn das Frankfurter Oberlandesgericht vorige Woche zu zwei Jahren Haft mit Bewährung verurteilte, weil er die hessische Landesregierung dazu habe nötigen wollen, den Bau der Startbahn zu stoppen, kommentierte er: Das Urteil sei ein "eigenartiger Beitrag zum fünfzigsten Jahrestag der Machtergreifung des Faschismus". Schubart – ein schlimmes Beispiel dafür, wie verständliches politisches Engagement in Verblendung und Eigendünkel umschlagen kann.

Schubart hatte sich eilfertig zum Volkstribunen aufgeschwungen. Der Schreier vom Marktplatz ging freilich einsam spazieren, als sich Polizei und Startbahngegner in jenen denkwürdigen Novembertagen 1981 eine Schlacht lieferten. Das trug ihm die milde Verachtung der Ökologen ein. Das Gericht aber nahm Schubarts Worte für die Tat. Es ist eine Premiere, daß der gewaltige Vorwurf "Nötigung eines Verfassungsorgans in ein Demonstrations-Strafverfahren eingeführt wurde. Mehr Gelassenheit wäre angemessen gewesen. Die Richter ließen es jedoch auf eine exemplarische Kraftprobe ankommen. Sie nahmen Schubart so bitter ernst, wie er sich selber geriert hatte. G.S.