In Hessen haben sich Grüne und SPD auf ein Sofortprogramm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geeinigt. Dirk Treber sitzt für die Grünen im Wiesbadener Landtag.

ZEIT: Das Echo auf die Verständigung in Hessen war überraschend gering, verglichen mit den Hamburger Gesprächen. Warum?

Treber: In Hessen haben die Medien durchaus ausführlich über die Gespräche berichtet. Und es hat auch ganz böse Stellungnahmen von der CDU und von ihrem neuen Landesvorsitzenden Walter Wallmann gegeben: Die SPD, so sagt Wallmann, habe sich jetzt in Abhängigkeit von den Grünen begeben, und das würde dazu führen, daß Arbeitsplätze vernichtet werden. Und der Konsens aller Demokraten sei nun durchbrochen.

ZEIT: Haben Sie Ihre Anliegen – Ausstieg aus der Kernenergie und Stopp der Startbahn West – einbringen können?

Treber: Wir haben diese beiden, aus unserer Sicht, Lebensfragen nicht gekoppelt mit der Diskussion über das Sofortprogramm. Die Gespräche darüber hat die SPD im November abgebrochen. Was jetzt passiert: Im Landtag findet bald eine öffentliche Anhörung über die Auseinandersetzungen an der Startbahn statt, das ist schon ein kleiner Teilerfolg. Und den Ausstieg aus der Atomenergie kann man nicht im ersten Anlauf durchsetzen. Deshalb war es erst einmal wichtig, etwas gegen das Wäldersterben und gegen den sauren Regen zu unternehmen.

ZEIT: Die Einschätzung, daß sich die Grünen in Hessen zur Pragmatik entschlossen haben, ist falsch?

Treber: Wir haben eigentlich immer erklärt, daß wir versuchen wollen, eine konstruktive Politik zu machen. Und das bedeutet in Hessen, daß wir in einzelnen Sachpunkten auch eine Entscheidung treffen. Es geht uns nicht immer um „alles oder nichts“; wir brauchen im Landtag auch einen bestimmten Spielraum. Der Gegensatz, der meiner Ansicht nach auch ein bißchen künstlich ist, zwischen Realpolitik und Fundamentalopposition, ist mit unserer Zustimmung zum Sofortprogramm noch nicht entschieden.