ZEIT: Herr Loderer, die gegenwärtigen Lohnverhandlungen sind die letzten in Ihrer Amtszeit als Erster Vorsitzender der IG Metall; sind es auch die schwierigsten?

Loderer: Wenn man, wie ich, nun bald vierzig Jahre im Dienst der Gewerkschaften steht und sich das Umfeld ansieht, in dem die Verhandlungen stattfinden, dann fällt einem die Antwort nicht schwer: Mit Sicherheit gehören sie zu den schwierigsten Auseinandersetzungen.

ZEIT: Das Szenario ist diesmal besonders düster: 2,2 Millionen Arbeitslose, kein Wirtschaftswachstum, 13 000 Pleiten. Kann eine Gewerkschaft in solcher Situation überhaupt noch Lohnerhöhungen fordern?

Loderer: Die Frage enthält unausgesprochen den Rat, unter diesen besonderen Umständen sollten die Arbeitnehmer auf Tarifanhebungen verzichten ...

ZEIT: ... Lohnpause à la Blüm ...

Loderer: ... Ja, Lohnrunde à la Blüm, also Pause. Dem steht jedoch entgegen, daß die Lohnpolitik der IG Metall über die letzten acht Jahre hinweg sehr maßvoll war. Und das, obwohl die Preissteigerungsraten in diesen Jahren nicht unbeachtlich waren, von der Produktivitätsentwicklung ganz zu schweigen. Ich will aus der Kaufkrafttheorie ja kein Evangelium machen, aber mit dem Durchschnittseinkommen eines Metall-Facharbeiters von 2400 Mark brutto oder 1800 Mark netto lassen sich keine großen Bocksprünge machen. Wenn nicht noch Frau oder Kinder mitverdienen, dann sieht das schon sehr nach Schmalhans-Küchenmeister aus.

ZEIT: Eine Lohnpause kommt für Sie also nicht in Frage?