Ist das größte deutsche Kreditinstitut ein Opfer kleinlicher Rivalität geworden?

Warum macht die Deutsche Bank nicht mit? "Diese Frage", rätselt Winfried Spaeh, Generalbevollmächtigter der Dresdner Bank in New York und zuständig für den Bereich Nordamerika, "stellen nicht nur Journalisten, sondern auch der Internationale Währungsfonds, die Zentralbanken und Geschäftsbanken im In- und Ausland. Wir wissen nur, daß die Deutsche Bank keineswegs uninteressiert ist, es aber vorzog, sich an den Gründungsarbeiten nicht zu beteiligen."

Die Gründungsarbeiten galten dem "Internationalen Finanzinstitut", das am 10. und 11. Januar dieses Jahres von vierzehn Herren, die 35 Banken aus neun Ländern repräsentierten, in Washington aus der Taufe gehoben wurde. Das neue Institut soll verhindern, daß die Verschuldungskrise der Dritten Welt und des Ostblocks das westliche Währungs- und Finanzsystem abermals an den Rand des Abgrunds bringt. Der Schock von Mexiko saß tief. Mexiko war schließlich nur ein Teil der Misere, wenn auch – mit mehr als achtzig Milliarden Dollar Schulden – ein eindrucksvoller Teil. Selbst Eingeweihten verschlug es die Sprache, als sie die Höhe des Engagements einzelner Banken bei faulen Schuldnern erfuhren. Wenn diese Forderungen wegen erklärter Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerländer als Verluste hätten abgeschrieben werden müssen, wäre so mancher Bankvorstand beim Konkursrichter erschienen. Kaum auszudenken, was eine Kettenreaktion von Bankpleiten für die weltwirtschaftliche Ordnung bedeuten würde.

Die Kettenreaktion ist fürs erste verhindert worden. Der Internationale Währungsfonds, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die Regierungen der Industrieländer und ihre Notenbanken haben überzeugende Anstrengungen unternommen, um den Einsturz der Kreditpyramiden auszuschließen.

Auch die international tätigen Geschäftsbanken sind über ihren Schatten gesprungen. Sie mußten aus eigenem Interesse etwas tun, was ihnen normalerweise gegen den Strich geht – sie mußten schlechten Schuldnern noch mehr gutes Geld nachwerfen, obwohl sie noch nicht sahen, ob sie es irgendwann einmal wiederkriegen würden. Damit haben sie wesentlich dazu beigetragen, daß das Finanzsystem den schweren Belastungsproben bisher flexibel standgehalten hat.

Nicht nur die großen Banken, auch die mittleren und kleineren haben bei der Bereitstellung notwendiger neuer Kredite zum Zwecke der Umschuldung gezeigt, was Solidarität bedeutet. Wilfried Guth, der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, erkannte darin vorbildliches Verhalten: "Vielleicht ist das ganz eindrucksvoll für die Regierungen, die sich manchmal mit ihrer Zusammenarbeit schwertun."

Aber manchmal tut sich eben auch die Deutsche Bank mit der Zusammenarbeit schwer. Obwohl bei der Gründung des Internationalen Finanzinstituts alle großen international tätigen Geschäftsbanken dabei waren, verharrte die Deutsche Bank einsam im Abseits. Dabei gehört sie zu den zehn größten Banken der Welt, hat vierzehn Filialen im Ausland und ist an allen wichtigen Plätzen der Welt präsent.