/ Von Cornelie Sonntag

Der Sprecher redet bedächtig, manche Sätze zerhackt er fast durch zu häufige Pausen, das Wort „Repräsentantenhaus“ läßt er mit jeder Silbe die Tonleiter hinaufklettern. Es geht um die amerikanischen Wahlen, der Bericht stammt aus dem Jahre 1957. Sein Autor: Peter von Zahn.

Ein Name, der Assoziationen weckt: Die Rundfunk-Ära der Nachkriegszeit und das Amerika-Bild der Deutschen in den fünfziger Jahren waren verknüpft mit jener eigentümlich einprägsamen Art der Präsentation in Radio und Fernsehen, die später die Korrespondenten zum Nachahmen und Kabarettisten zum Karikieren anregte. Am 29. Januar wird Peter von Zahn siebzig Jahre alt.

Er wohnt in einem erkerbewehrten Jugendstilhaus an der Bellevue, einer Hamburger Villenstraße am Alsterufer. Dort, in einem weitläufigen Kaminzimmer, läßt er sich geduldig ausfragen. Etwas hagerer sieht er aus als auf manchen älteren Photos, die man kennt; in den Formulierungen bemüht er sich um druckreife Sorgfalt und eine Prise Selbstironie. Seine sächsische Heimat Chemnitz klingt nicht durch, doch er beteuert, noch heute müsse er sich bei jedem Satz darauf konzentrieren, seinen Dialekt zu verbergen.

Journalist sein, schreiben, wollte er von Kindesbeinen an, erzählt er, und so entstanden früh „wüste Gedichte, noch wüstere Dramen, sehr bald Feuilleton“. Überhaupt gerate ihm alles, auch die politische Reportage, bis heute zum Feuilleton, zu „Fetzchen episodischer Darstellung“. Studiert hat er Geschichte, vor allem Kirchenhistorie; Geschichte, weil ihn interessiert, „wie etwas geworden ist – nicht, wie es künftig wird“. Kurz vor Kriegsbeginn schloß er die Promotion ab, und sobald es möglich war, schrieb er wieder – jetzt Berichte aus Rußland, für eine Armeezeitung. Im Mai 1945 kam er von Kurland über die Ostsee nach Kiel, knüpfte als einer der wenigen Offiziere mit Sprachkenntnissen Kontakte zu den Engländern – und war bereits wenige Monate später beim damals britisch geleiteten Hamburger Sender angelangt, dem späteren Nordwestdeutschen Rundfunk.

Peter von Zahns Aufstieg fällt in eine Ära, die zu beschwören alteren Radio-Leuten ein verklärtes Leuchten in den Augen beschert. Er gehört zu der kleinen Gruppe derer, die – wie Axel Eggebrecht, Peter Bamm, Bruno Werner, Ernst Schnabel – sich in der „Stunde Null“ des Rundfunks, unter materiell schwierigen Bedingungen, aber fast völlig frei von politischem Druck ans Werk machten. Ihrer unbefangenen Kreativität kam zugute, daß die Menschen die lange entbehrte Chance zu Information und Diskussion gierig aufgriffen. Unter der liberalen Aufsicht der Engländer entstanden die Programme, „schludrig in der Form, aber schnell, aktuell, voller Ideen“. Geblieben ist Peter von Zahn aus dieser Zeit eine „große Bewunderung für britische Organisationsgabe und ausgeprägte Skepsis gegenüber deutscher Bürokratie“. Sie habe nur deshalb nicht total triumphiert, weil es in deutschen Rundfunksendern immer wieder Kräche und Pannen und außerdem Leute gab, die „ständig mit hochrotem Gesicht durch die Gänge liefen und täglich den Rundfunk neu erfanden“.