Realistisch, aber nicht ohne Idealismus, mitleidend, aber Hoffnung verheißend, so möchte Präsident Reagan in der Halbzeit seiner ersten Amtsperiode gesehen werden. Plattform dafür war die Botschaft zur Lage der Nation, die Reagan am Dienstag verkündete. Seine Botschaft: Die Vereinigten Staaten „sind stark, aber unsere Wirtschaft ist in Schwierigkeiten“, und verantwortlich dafür sind diejenigen, die vor ihm regiert haben.

Reagan muß jetzt handeln. Das Defizit erreicht die Rekordhöhe von über 200 Milliarden Dollar, die Arbeitslosigkeit ist auf dem höchsten Stand seit der großen Depression. Ausgenommen Verteidigung will er die Staatsausgaben auf dem gegenwärtigen Niveau einfrieren; denn weiter steigende Haushaltsdefizite wären der Tod jeder wirtschaftlichen Erholung. Amerikas technologische Führerrolle und die akademische Vorbereitung der jungen Generation auf die unerläßliche industrielle Erneuerung sind die Hauptanliegen des Präsidenten. Freier Handel bleibt seine Grundüberzeugung. Das Herzstück der Strategie für den Frieden sind die Beziehungen zur Sowjetunion; die Standfestigkeit der Verbündeten stellt einen Schlüssel für wirkliche Abrüstung dar.

Der Beifall, den auch die Demokraten dem Präsidenten spendeten, besagte nicht viel. Die Antworten ihrer Sprecher auf die „Botschaft“ gaben die wahre Stimmung wieder: Auf zum parlamentarischen Gefecht; die Geduld der Öffentlichkeit ist erschöpft. U. Sch.