Beachtlich

„Aus heiterem Himmel – Film in neun Episoden“ von neun Berliner Filmemacherinnen. Wenn eine getragene, eindringliche Stimme Marie von Ebner-Eschenbachs Fabel von den zwei Nachbarn erzählt, die sich so lange mit Stöcken rüsten, bis sie nichts mehr zu verteidigen haben als Armut und Elend, und wenn die Kamera dazu immer kargere, schließlich Endzeitlandschaften aufnimmt und ein Fernsehapparat Bilder von der martialischen Stärke der Supermächte zeigt, ist man vorbereitet auf das übergreifende Thema der neun Episoden: Rüstungswahn, Kriegswahn. Dokumentarisch, fiktiv oder experimentell haben sich die Frauen diesem Thema genähert und Einsichten geliefert in die Absurdität beispielsweise von Schutzmaßnahmen für den Ernstfall, von Aussichten auf die Zeit danach, wenn Schutzräume zur „Neuen Heimat“ werden, wie der Titel einer der Episoden ironisch lautet. Noch radikaler wird die Endzeit in dem Beitrag „Erzählt wird“ weitergedacht. Drei Menschen, zwischen Betonmauern eingeschlossen, sind zu Ausgeschlossenen geworden. Was immer verdrängt wird, haben die Berliner Filmemacherinnen sichtbar gemacht. Von Ohnmacht und Angst sind fast alle Beiträge bestimmt. Das Porträt der 47jährigen Marianne Gose freilich, die 1982 den Friedensmarsch von Berlin nach Wien initiierte, ist ein Hoffnungsschimmer. „Aus heiterem Himmel“: ein ungemütlicher und doch empfehlenswerter Film.

Anne Frederiksen

Unterhaltsam

„American Monster“ von Larry Cohen. Von einem Anhänger des Aztekenkults (und Stammbesucher des Museums für amerikanische Indianer) wird eine geflügelte Riesenschlange durch Menschenopfer als Reinkarnation des Gottes Quetzalcoatl beschworen. Nun nistet „Q“, „The Winged Serpent“ (so die beiden Originaltitel), in der Kuppel des Chrysler-Buildings, brütet ein Riesenei, nährt sich von unachtsamen Fensterputzern und Bauarbeitern und sonnenbadenden Sekretärinnen, läßt mitunter blutige Menschenreste auf belebte Straßen fallen und versetzt die Bevölkerung New Yorks in Panik. Die Tricks sind trotz aller Einfachheit eindringlich, und die zahllosen Helikopteraufnahmen um und über Manhattans Wolkenkratzer besitzen eine gewisse schwindelerregende Poesie. Doch das Verblüffendste und Effektivste ist die bizarre Darstellung von Michael Moriarty („Holocaust“) als greinender Ganove, der seine zufällig gewonnene Kenntnis vom Nistplatz des Monsters der Polizei verkauft gegen einen „Nixon-ähnlichen“ Pardon, eine Million Dollar („steuerfrei“) und die Exklusivrechte an allen Photoaufnahmen: ein hinreißendes Beispiel lustvoll überzogener „schlechter“ Schauspielerei, das man als perfekte Parodie von Lee Strasbergs Stil des „Method-Acting“ charakterisieren könnte. Mit seinen liebevollen „King-Kong“-Verweisen, seinem selbst-parodistischen Ansatz und seinen beiläufig angebrachten antiautoritären und anti-religiösen Akzenten ist dies der unterhaltsamste Horror seit Joe Dantes „Das Tier“. Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Der Depp“ von Herbert Achternbusch. „Eine Sommernachts-Sexkomödie“ von Woody Allen. „Die Fantome des Hutmachers“ von Claude Chabrol. „Victor/Victoria“ von Blake Edwards. „Normalsatz“ von Heinz Emigholz. „Yol“ von Yilmaz. Güney und Serif Gören. „Von Mao zu Mozart“ von Murray Lerner. „Accattone“ von Pier Paolo Pasolini. „E. T. – Der Außerirdische“ von Steven Spielberg. „Der Saustall“ von Bertrand Tavernier. „Die Nacht von San Lorenzo“ von Paolo und Vittorio Taviani (siehe Seite 35). „Der Stand der Dinge“ und „Hammett“ von Wim Wenders.