Ein Schriftsteller äußerte sich zu einem von Wilhelm Grimm zitierten Spruch: „Luther hat gesagt, die Sprache sei die Scheide, in welcher der Stahl des Gedankens stecke: die Scheide ist schlottrig geworden.“ Der Schriftsteller kommentierte: „Was für ein Dokument! Bemerkenswert, höchst natürlich und treffend, wenn auch unerfreulich und schlimm von

Daraufhin schrieben ihm Leser: 1. Sie haben den Luther-Spruch offenbar nicht verstanden. 2. An Luther und Grimm reichen Sie nicht heran. 3. Althochdeutsch sceida, altsächsisch skethia, gotisch skaithi war zu Luthers Zeit noch einzig und eindeutig die Hülle des Schwertes. 4. Du Schwein.

Die Faustregel für Schreiber lautet: Ironie kommt niemals an. Das ist, wenn man den ironischen Teil der These abzieht, richtig.

Unser Luther-Kommentator hatte eigentlich nur Thomas Mann paraphrasiert, der das „Schlaf mit mir“, das Potiphars Weib zu Josef sprach, für seine Zwecke in einen Brief umwandelt mit dem Wortlaut: „Komm, daß wir uns eine Stunde des Schlafens machen.“ Und dann kommentiert: „Was für ein Dokument! Goldeswert, höchst ehrwürdig und ergreifend, wenn auch mißlich, bedrückend und schlimm von Natur.“

Ludwig Reiners, der verdienstvolle Stillehrer, konnte damit nun gar nichts anfangen. Er fühlt sich sogar bemüßigt, Thomas Manns Josef-Romane, die doch eine Wiedergeburt des Mythos aus dem Geiste des 19. Jahrhunderts sind, als „Alterswerk“ zu entschuldigen. Er spricht, im Zusammenhang mit Thomas Manns Ironie, auch von einer „fast dekadenten Vorliebe für ausgefallene und zwielichtige Fremdwörter“ – von der freilich bei dem hier Wiedergegebenen wenig zu spüren ist.

Das Kapitel über Ironie hätte Reiners aus seiner sonst oft so einsichtigen „Stilkunst“ streichen sollen. Es fängt schon schlecht an mit der Definition: „Ironie nennen wir die Redeform, mit der wir das Gegenteil dessen sagen, was wir meinen. Das mag für ironische Banalitäten zutreffen wie: „Ich werde dir helfen!“ – „Das hat mir gerade noch gefehlt.“ – „Das wäre ja noch schöner.“ – „Du bist mir der Richtige.“ – „Eine schöne Bescherung!“

Aber wenn ich sage „zwei und zwei ist nicht vier“ oder „Dunkel war’s, der Mond schien helle“, dann ist das noch lange keine Ironie.