Die Weltbörsen sind aus dem Tritt geraten. Schuld daran ist einmal das Auseinanderbrechen der Opec, das zunächst die internationalen Devisenmärkte kräftig durcheinanderbrachte. Zum anderen sorgte die wieder unklar gewordene Zinssituation in den USA für Aufregung. Nachdem Notenbankpräsident Volcker erklärt hatte, wegen des hohen Budget-Defizits kaum noch einen Spielraum für weitere Zinssenkungsmaßnahmen zu sehen und die seit langem erwartete Diskontsenkung bisher ausgeblieben ist, zogen in den USA die Renditen der festverzinslichen Papiere wieder deutlich an. Dies wiederum beeinträchtigte den Aktienmarkt, dessen Kurse sich nach einem hoffnungsvollen Start am Monatsbeginn nunmehr unter Schwankungen nach unten bewegen.

Dies mußte zwangsläufig auf die Verhältnisse am deutschen Kapitalmarkt abfärben. Um so mehr, als sich mit dem Näherrücken des Wahltermins vom 6. März die Unsicherheit darüber verstärkt, wer danach Bundeskanzler sein wird.

Zu Beginn dieser Woche wurde deutlich, daß das niedrige Zinsniveau in der Bundesrepublik auf schwachen Füßen steht. Obwohl am vergangenen Montag die Kurse vieler festverzinslicher Papiere um mehr als einen vollen Punkt zurückgenommen worden sind und die Renditen einiger langlaufender Emissionen über acht Prozent hinausgingen, mußten kurspflegende Stellen allein an einem Tag für rund 500 Millionen Mark Anleihen aufnehmen. Das entspricht einer halben Bundesanleihe. An den Verkäufen waren auch Ausländer beteiligt, die nach dem Kursverfall der Mark gegenüber dem Dollar nervös geworden sind und ihre Felle jetzt davonschwimmen sehen. Denn sie hatten mit einer gegenteiligen Bewegung gerechnet.

Daß dabei auch Aktien verkauft wurden, liegt auf der Hand. Dies besonders vor dem Hintergrund des zu erwartenden knappen Wahlausgangs. Wenn es aber bei den Aktienkursen bislang bei einem geordneten Rückzug blieb, tragen dazu die Anlagekäufe institutioneller Investoren maßgeblich bei. Einige hatten sich zu Beginn dieses Monats von Aktien entlastet – in der berechtigten Hoffnung, diese Papiere schon bald billiger zurückkaufen zu können. Vielfach wurde diese Gelegenheit auch zu Umschichtungen benutzt.

Einheitliche Anlageüberlegungen scheint es indessen nicht zu geben. Spürbar wird aber eine Reserve gegenüber den Bank-Aktien. Der Fall Korff hat erkennen lassen, wie rasch für das Kreditgewerbe neue Risiken aufbrechen können. Im Stahlbereich wird Korff nicht der einzige bleiben, der von den Banken Opfer verlangt. Hinzu kommt, daß ein Zusammenbrechen des Ölpreises das Problem der Länderrisiken (vor allem bei Mexiko und Nigeria) wieder akut werden läßt.

Umstritten blieben die Warenhaus-Aktien, die zu Beginn des Jahres von einigen Anlageberatern mit Vorschußlorbeeren bedacht worden waren – angesichts der schrumpfenden Konsumfähigkeit breiter Bevölkerungskreise ein kühnes Verhalten. Interessant ist, daß der Kaufhof-Kurs den Karstadt-Kurs inzwischen um rund zehn Mark überrundet hat. Kein Wunder; denn beim Kaufhof wird in diesem Jahr von einem besseren Ertrag als bei Karstadt ausgegangen. Das Abenteuer Neckermann zehrt unaufhörlich an Karstadts Kräften.

Unsicher ist man in den Börsensälen in der Beurteilung der Maschinenbauaktien. Die Maschinenbauer haben das Konjunkturtal noch längst nicht durchschritten, wie jetzt die Ankündigung der Gutehoffnungshütte deutlich macht, für 1982/83 die Dividende um „mindestens vier Prozent“ senken zu müssen. Das heißt von jetzt sieben auf vermutlich fünf Mark je Aktie. Die MAN, eine der Hauptbeteiligungen der GHH, hat bereits für 1981/82 die Dividende von sieben auf vier Mark zurückgenommen. K. W.