Am 1. Februar wird Wolf-Dieter Dube, bisher Leiter der Staatsgalerie moderner Kunst in München und Stellvertreter des Generaldirektors der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, das Amt des Generaldirektors der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin antreten. Dube, Spezialist für die Kunst des deutschen Expressionismus, löst Stephan Waetzoldt ab, der den mit 14 Museen größten und umfassendsten Museumskomplex Europas seit 1965 leitete. Ein mächtiges Amt für einen Mann ohne Hausmacht: Anders als mancher Vorgänger in Berlin und der Generaldirektor zum Beispiel in Köln hatte Waetzoldt und hat Dube kein „eigenes“ Museum. Dennoch ist der „General“ in Berlin die glänzendste Position, die das deutsche Kunstleben zu vergeben hat.

P. K.: Der Generaldirektor, der Berliner Museen ist, anders als der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, kein Chef, sondern ein primus inter pares. Was kann man in dieser Position machen, und wo werden Sie Akzente setzen? Werden Sie sichtbarer sein als Ihr Vorgänger?

Dube: Im deutschen Museumswesen gibt es die gute Tradition eines Kollegialsystems. Das heißt, die wissenschaftlichen Beamten, zu denen ja auch der Direktor gehört, pflegen die Zusammenarbeit und den Meinungsaustausch auf einer Ebene. Insoweit ist der Direktor nicht einmal ein primus inter pares, es sei denn, seine Qualifikationen als Charakter, als Wissenschaftler, als Führungspersönlichkeit geben ihm eine natürliche Autorität. Das kann also keine Frage einer geschriebenen Ordnung sein, sondern ist Ergebnis von Selbstverständnis und Verhalten. Unberührt davon bleibt indessen, daß der Generaldirektor der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Vorgesetzter aller Mitarbeiter der Museen ist. Insoweit existiert kein Unterschied zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, jenem Institut, von dem ich komme.

Damit ist ganz allgemein schon umschrieben, was ich zu tun habe, nämlich den mir anvertrauten Museumskomplex zu führen und dort sichtbar in Erscheinung zu treten, wo es das Interesse der Museen erfordert. Wenn ich es salopp ausdrücken darf: Ich werde kein Frühstücksdirektor sein. Andererseits habe ich im Verlauf von zwei Jahrzehnten, die ich in München verbracht habe, das Glück gehabt, auf den verschiedensten Gebieten – von Forschung über Ankauf bis hin zum Museumsbau – eigene Ideen und Projekte verwirklichen können. Ich muß mich in dem neuen Amt also nicht endlich selbstverwirklichen. Daher ist meine geringste Sorge, wo ich Akzente setzen kann. Zunächst wird es vielmehr darum gehen, das Begonnene zügig fortzuführen.

P. K.: In Ihrer bisherigen Position hatten sie sehr direkt mit Kunst zu tun. Sie haben mitgearbeitet an der Neueinrichtung der Alten Pinakothek und die Neue Pinakothek mitkonzipiert. Als Leiter der Staatsgalerie moderner Kunst haben Sie Ankäufe getätigt. Ist es nicht etwas traurig, Kunst jetzt nur noch zu verwalten?

Dube: Warum sollte ich traurig sein? Was heißt eigentlich „Kunst nur noch verwalten“? Es wird doch niemand erwarten, daß ich mich als Karteiführer oder Buchhalter betätigen werde. Meine künftige Tätigkeit wird sich, wie meine bisherige, auf alle Bereiche des Museumswesens erstrecken, und ich werde an allen wichtigen Entscheidungen notwendigerweise beteiligt sein. Natürlich werde ich viele Probleme aus etwas größerer Distanz betrachten müssen, was mir jedoch nicht gerade als Nachteil erscheint. Sicher werde ich an der Jagd nach Kunstwerken nicht mehr so direkt teilnehmen, allein meine Jagdleidenschaft ist nicht so stark ausgeprägt, als daß ich das nicht verschmerzen könnte. Ich glaube, man macht sich da zuweilen etwas zu romantische Vorstellungen, die auch in Ihrer Frage mitschwingen. Die härtere und langwierige Arbeit beim Erwerben besteht nicht im Finden, sondern leider darin, die Finanzierung der Wünsche zu bewerkstelligen, und diese Arbeit bleibt mir gewiß. Und schließlich, was sollte mich daran hindern, ein Kunstliebhaber zu bleiben, wer könnte es mir verwehren, weiterhin kunsthistorisch zu arbeiten?

P. K.: Die Ihnen zugeordneten Museen gehören zu der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und in dieser Stiftung wiederum reden die Länder mit. Was bedeutet das für die Berliner Museumspolitik?