Zugegeben – manchmal brauchen wir schon etwas länger, um die edlen Absichten unserer Politiker und den tieferen Sinn ihres Handelns zu begreifen. Doch dank ihrer schier unerschöpflichen Geduld verstehen es die Volksvertreter am Ende immer noch, sich dem beschränkten Publikum verständlich zu machen.

Als etwa vor Jahresfrist Bonns sozialdemokratischer Arbeitsminister Herbert Ehrenberg angesichts einer desolaten Kassenlage der Bundesanstalt für Arbeit das Geld für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) gekürzt hatte, neigten wir dazu, das für einen eher unsozialen Schritt zu halten. Wir müssen wohl geirrt haben.

Unsozial nämlich, so läßt sich jetzt der sozialpolitische Chefdenker der SPD, Eugen Glombig, vernehmen, sei vielmehr, daß der neue CDU-Arbeitsminister Norbert Blüm nun wieder mehr. Geld für ABM ausschütte. Die Union, so Glombig, dokumentiere damit nur ihre beschäftigungspolitische Hilflosigkeit und wolle ihre unsoziale Wirtschaftspolitik abfedern.

Auf die dann doch wohl naheliegende Idee, daß Ehrenbergs Sozialkürzungen den Arbeitslosen viel mehr geholfen haben, wären wir freilich von selbst nicht gekommen. Wir danken für die Nachhilfe. wge