Innerhalb von zwei Wochen sollen alle illegal eingereisten Ausländer Nigeria verlassen. Zwei Millionen Menschen werden zu Flüchtlingen.

Der nigerianische Innenminister Ali Baba begründete den Ausweisungsbefehl mit dem schlechten Betragen der Fremden: Viele von ihnen seien an den blutigen religiös sen Tumulten des letzten Jahres beteiligt gewesen, viele seien kriminell. „Sie müssen raus, und zwar schnell“, sekundierte die regierungsfreundliche Presse in Lagos.

Die meisten Ausländer sind in den siebziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen in den afrikanischen Staat gekommen; manche auch als politische Flüchtlinge: Zehntausende waren vor dem Bürgerkrieg im Tschad nach Südwesten geflohen; eine halbe Million Bürger des Nachbarlandes Niger, Menschen aus Benin, Kamerun, Obervolta und Togo lockte der Ölboom in die nigerianischen Städte. Die meisten Zuwanderer (rund eine Million) aber kamen aus Ghana, etwa ein Zwölftel des ghanesischen Staatsvolkes.

Mit dem weltweiten Rückgang der Ölpreise erleidet Nigeria eine schwere Wirtschaftskrise. Wachsende Arbeitslosigkeit bedroht die Regierung des Präsidenten Schehu Schagari, die sich im Sommer demokratischen Wahlen stellen soll. Die Ausweisung der Fremden erscheint da als populäre Maßnahme.

Wollen die Ghanesen auf dem Landweg in ihre Heimat zurück, müssen sie Benin und Togo durchqueren. Die Volksrepublik Benin verweigert aber allen Flüchtlingen die Einreise, die keine Möglichkeit zur Weiterreise in den Heimatstaat haben. Ghana hat nun vor einigen Monaten alle Grenzübergänge zu den Nachbarstaaten geschlossen – als Vorkehrung gegen den Schmuggel, wie es offiziell hieß, aber mit dem offenbar gewünschten Nebeneffekt, die Rückkehr eigener Bürger in das während der letzten Janre verarmte Land zu erschweren.

Das Resultat: 80 Kilometer westlich von Lagos kampieren bei Idiroko an der Grenze zwischen Nigeria und Benin Tausende von Menschen. Zwei ghanesische Schiffe sind in Lagos eingelaufen, um Flüchtlinge auf dem Seeweg nach Accra zu bringen, und auch per Flugzeug sind schon ausgewiesene Ghanesen zurückgekehrt: Doch hunderttausende fürchten den Fremdenhaß im ungastlich gewordenen Nigeria. HJG