Von Hermann Bößenecker

In den Chefetagen des deutschen Elektro-Multi Siemens in München wird intensiv über zwei Ereignisse nachgedacht, die um die Jahreswende weltweit die Industrie der Mikroelektronik und die mit ihr eng verschwisterten Branchen der Datenverarbeitung und der Kommunikationstechnik alarmierten. Die beiden Nachrichten:

Der Welt größter Computerhersteller International Business Machines (IBM) in Prozent bei New York wird für den spektakulären Preis von 250 Millionen Dollar vorerst zwölf Prozent der Aktien des innovativsten US-Halbleiterproduzenten Intel Corporation in Santa Clara /Kalifornien übernehmen. Ferner hat sich IBM eine Option auf insgesamt dreißig Prozent auf die Dauer von acht Jahren gesichert.

Der Fernsprechgigant American Telephone and Telegraph (AT&T), New York, mit fast sechzig Milliarden Dollar Umsatz eines der größten Unternehmen der Welt, will künftig auf dem Gebiet des öffentlichen Fernmeldewesens eng mit dem holländischen Philips-Konzern in Eindhoven zusammenarbeiten. Geplant ist eine gemeinsame paritätische Tochtergesellschaft mit Sitz in den Niederlanden für das Geschäft mit moderner Telephon-Vermittlungstechnik auf internationalen Märkten außerhalb der USA.

Informationsverarbeitung und Telekommunikation sind heute die Domäne des Mikroprozessors, der auf einem winzigen Silicium-Plättchen einen Computer im Kleinstformat darstellt. Die Chips werden in den nächsten Jahren die Industrieproduktion ebenso wie viele Dienstleistungen revolutionieren und die Kommunikation der Menschen untereinander beeinflussen. Der Mikroprozessor aber ist die Erfindung der 1968 gegründeten Firma Intel Corporation, die damit vor zwölf Jahren mit einem Schlag zur technologischen Spitze der Chips-Branche avancierte.

Siemens war damals dabei. Um nicht abgehängt zu werden, ist der Münchner Multi schon vor fast sieben Jahren eine vielberedete Partnerschaft mit Intel eingegangen.

Das Abkommen zwischen Siemens und Intel, das vorerst bis 1986 verlängert wurde, bezieht sich auf Entwicklung und Vermarktung von Mikroprozessoren. Dabei ging es Intel wohl vor allem darum, die Marktdominanz der Siemens AG, ihre Durchsetzungskraft für neue Industriestandards zu nutzen, während der deutsche Konzern mehr vom Entwicklungspotential der Amerikaner zehrt. „Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen“, bekräftigt Marketing-Leiter Armin Vogel von der deutschen Intel Semiconductor GmbH in München.