Jetzt hat IBM demonstriert, wie unentbehrlich der Spezialist im Silicon-Valley auch für den amerikanischen Rechner-Riesen ist. Dessen Engagement wurde in der amerikanischen Öffentlichkeit mit euphorischem Beifall begrüßt. Es gilt, das ist einer der Hauptbeweggründe, Intel für den Konkurrenzkampf mit den Japanern zu stärken.

Die spektakuläre Eintrittsgebühr von 250 Millionen Dollar für nur zwölf Prozent der Anteile, mehr als das Achtfache des 1982 erzielten Gewinns, kündet der Konkurrenz, wie hoch IBM den Partner einschätzt.

Läuft Siemens nun nicht Gefahr, als Partner von Intel ins Hintertreffen zu geraten? Marketing-Mann Vogel versichert, an der Zusammenarbeit werde sich auch durch die Vereinbarung mit IBM nichts ändern. Der Gigant garantiere die Unabhängigkeit von Intel im Tagesgeschäft. Es sei auch ein "Zugewinn für Siemens wenn Intel dank der großzügigen Kapitalspritze von IBM in die Lage versetzt werde, bessere Produkte noch schneller zu entwickeln.

Auch Siemens selbst bekräftigt, daß der Kooperationsvertrag mit Intel – genauso wie die eigenen Bauelemente-Lieferungen an IBM – durch den neuen Pakt der beiden Amerikaner "nicht tangiert" wird. Eine direkte Beteiligung von Siemens an Intel habe nicht zur Diskussion gestanden. "Siemens verfügt über eine eigene Halbleiterfertigung, die genügend Spielraum für Investitionen bietet. Sollte Siemens diese Aktivitäten erweitern, so würde also sicherlich in die eigenen Fertigungskapazitäten investiert werden."

Dieser Kommentar geht allerdings am Wesentlichen vorbei, nämlich an der Frage: Ist das Siemens-Entwicklungspotential dem von Intel ebenbürtig? Aus der Führungscrew des Unternehmensbereichs Bauelemente möchte sich vorerst jedenfalls niemand zu dem spektakulären Deal zwischen Armonk und Silicon Valley äußern.

In der amerikanischen Öffentlichkeit gibt es gewichtige Stimmen, die Intel schon jetzt auf IBM-Kurs sehen. Business Week zitiert einen "Skeptiker": "Wartet bis 1991 (bis zum Ende der Optionsfrist). Dann wird IBM Intel besitzen."

Nicht als Kooperationspartner, sondern als Konkurrent berührt Siemens der Pakt zwischen AT&T und Philips. Siemens ist in der Weltrangliste hinter AT&T und der in Amerika selbst nur relativ schwach vertretenen International Telephone and Telegraph Corp. (ITT) drittgrößter Hersteller von öffentlichen Fernsprecheinrichtungen.