Siemens-Vorstand Dieter von Sanden, der Leiter des Unternehmensbereichs Kommunikationstechnik, macht sich darauf gefaßt, daß die neue gemeinsame Gesellschaft von "Ma Bell" und Philips "ein sehr ernstzunehmender Konkurrent" auf dem bereits bisher hart umkämpften Welttelephonmarkt sein wird. Für die AT&T liege das Reizvolle dieser Partnerschaft darin, daß sie – mit einem riesigen Heimmarkt, aber bisher nur geringer vertrieblicher Verankerung außerhalb der USA – mit einem Schlag Zugang zu neuen Ländern über die international weitverzweigte Philips-Organisation erhalte. Die Holländer bekommen dafür die moderne digitale Vermittlungstechnik, die ihnen noch fehlt.

Philips hat die Hilfestellung bitter nötig. Gerade in der Bundesrepublik ist das im vergangenen Jahr offenbar geworden: Philips hatte es nicht geschafft, rechtzeitig funktionstüchtige Testanlagen für das neue digitale Elektronische Wählsystem (EWSD) der Deutschen Bundespost zu installieren. Philips war erstmals aufgefordert worden, neben der Siemens AG und der ITT-Tochter Standard Elektrik Lorenz AG sich an der beschränkten Ausschreibung mit "Präsentationsämtern" für Fern- und Ortsverkehr zu beteiligen, konnte die dabei gesteckten Fristen aber nicht einhalten.

In der Kooperation von Philips und AT & T sieht Siemens-Direktor Horst-Edgar Martin "eine ernste Herausforderung". Zwischen den deutschen Konzern und die amerikanische ITT wird sich damit in der Nachrichtentechnik auf den Märkten in Asien und Afrika, aber sicherlich auch in Europa selbst eine "dritte Kraft", ein neues leistungsfähiges Unternehmen mit bestem Knowhow und praktisch unbegrenzten finanziellen Ressourcen schieben.

Die Siemens-Kommunikationstechnik, bisher ein ausgesprochener Geldbringer des auf anderen elektronischen Gebieten (wie in der Datentechnik und in den letzten Jahren auch bei Bauelementen) defizitären Unternehmens, muß sich schon heute auf diese erschwerten Bedingungen einstellen.

Der deutsche Konzern hat sich früher als ein wahres Kooperationswunder erwiesen. Dabei gab es gewiß auch manche Enttäuschungen – aber die Erfolge überwiegen. Hat Siemens an Attraktivität für mögliche Partner verloren?