Die Reisebüros müssen darüber nachdenken, wie sie sich dem Markt der Zukunft anpassen können. Ein Vorschlag lautet: stärkere Integration in die Freizeitindustrie.

Den Reisebüros in ihrer herkömmlichen Form gibt der Verkaufstrainer und Unternehmensberater bei den Münchener Jahn-Reisen, Wolfgang Brugger, kaum noch eine Chance. Die Reisebüros, so seine These, müssen sich in die Freizeitbranche insgesamt integrieren.

Die Freizeitindustrie, schätzt Brugger, bleibt auch zukünftig eine Wachstumsbranche. Gerade die Erwerbstätigen haben immer mehr freie Zeit und lassen sich deren Gestaltung weiterhin einiges Kosten, Die große Urlaubsreise ist eher, nur der geringere Teil der gesamten, Freizeitgestaltung. Zumindest von gleichrangiger Bedeutung sind Ausflüge und sportliche Aktivitäten am Wohnort. Also denkt Brugger an ein integriertes Freizeitzentrum, in dem sowohl der Jahresurlaub wie auch der Ausflug oder der Tennisplatz zu Hause zu buchen sind und in dem der Kunde vielleicht gleichzeitig noch seine Sportutensilien kaufen kann. Es würden sich auch Kombinationen mit Fitneß-Zentren oder Sonnenstudios anbieten.

Wolfgang Brugger hat sich auch gleich überlegt, wie die Reisebüros einen solchen Schritt technisch und finanziell bewältigen könnten. Nach seiner Auffassung ist dies nur in Kooperation mit den Veranstaltern möglich.

Spätestens an dieser Stelle sollte der kritische Konsument allerdings aufhorchen. Denn eine engere Bindung der Reisebüros an die Veranstalter bedeutet oft auch mehr Abhängigkeit. Bereits im vergangenen Jahr wurde beanstandet, daß gerade die Produkte der Großveranstalter in den Reisebüros bevorzugt wurden.

Zudem kann einem vor einer Kombination von Veranstalter, Reisebüros und Sportartikelfirmen als gigantischer Freizeitaufbereiter angst und bange werden. Schließlich wird die Vermarktung unserer Freizeit unter ausschließlich wirtschaftlichen Gesichtspunkten schon seit längerem kritisiert. Und das gelingt natürlich um so perfekter, je perfekter die Branche organisiert ist, die so etwas betreibt. Auf der anderen Seite dürfte der Verbraucher ebenso selbstverständlich ein Interesse daran haben, daß die Tourismusindustrie unbeschadet aus ihrer jetzigen Krise herauskommt.

Willi Bremkes